Eine Befragung von 80 Steuerverantwortlichen zeigt: Die meisten Abteilungen arbeiten weiterhin mit Tabellenkalkulation. Datensilos und Fachkräftelücken verschärfen die Situation.
Trotz intensiver Diskussionen über KI und Automatisierung arbeitet die Mehrheit deutscher Steuerabteilungen noch immer mit Excel. In etwa 60 Prozent der befragten Organisationen dient die Tabellenkalkulation als zentrales Werkzeug für Dokumentation und Datenverarbeitung. Deloitte hat zwischen Mai und Dezember 2025 insgesamt 80 Führungskräfte großer, international tätiger Firmen zu ihrer Steuerfunktion befragt. Das Ergebnis offenbart eine Diskrepanz: Während fast alle Befragten Automatisierung grundsätzlich befürworten und viele bereits digitale Technologien testen, verfügen nur rund zehn Prozent über durchgängig automatisierte Prozesse. Bei zwei Dritteln existieren zwar erste Teilautomatisierungen, vollständige End-to-End-Automatisierung bei Steuererklärungen oder Voranmeldungen bleibt jedoch selten. Die Folgen: Medienbrüche, händische Nacharbeit und begrenzte Effizienzgewinne trotz wachsender Anforderungen.
Das Kernproblem liegt tiefer als die Toolauswahl. Steuerrelevante Informationen sind häufig über verschiedene Anwendungen und lokale Lösungen verteilt. Nur 44 Prozent der Befragten haben jederzeit vollständigen Zugang zu allen benötigten Daten. Eine zentrale, konsistente Datenquelle fehlt in den meisten Fällen. Erschwerend kommt hinzu: Zwei Drittel der Unternehmen befinden sich zwar in einer SAP S/4HANA-Transformation, doch viele migrieren lediglich bestehende Strukturen in die neue Umgebung. Altlasten bleiben erhalten, strukturelle Schwächen werden nicht behoben. Parallel steigt der regulatorische Druck kontinuierlich. Von der globalen Mindestbesteuerung für multinationale Konzerne bis zu den EU-Meldepflichten im Rahmen von VAT in the Digital Age – die Anforderungen wachsen rasant. Für 71 Prozent der Steuerverantwortlichen stellt die Vorbereitung auf neue Vorschriften gegenwärtig die größte operative Herausforderung dar.
Zum technologischen Problem gesellt sich akuter Personalmangel. 44 Prozent der Befragten berichten, ihre Teams seien aktuell zu klein dimensioniert, um alle Aufgaben verlässlich zu erledigen. Die Konsequenz: steigende Abhängigkeit von externen Beratern und weniger Kapazität für strategische Mitgestaltung. Parallel verschieben sich die Anforderungen an neue Mitarbeitende. Fachliche Steuerexpertise wird zwar weiterhin geschätzt, doch Soft Skills gewinnen an Gewicht. Innovationsfreude, Kooperationsfähigkeit und kommunikative Stärke werden von den Befragten als zentrale Zukunftskompetenzen eingestuft. Kristiina Coenen, Partnerin bei Deloitte, resümiert: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffe eine erhebliche Lücke. Viele Steuerabteilungen würden nicht durch mangelndes Engagement gebremst, sondern durch knappe Budgets, fragmentierte IT-Landschaften und inkonsistente Datenbestände.




