J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon warnt in seinem Aktionärsbrief vor strukturellen Schwächen im Private-Credit-Markt. Gleichzeitig häufen sich Rückgabewellen bei Goldman Sachs, Barings und Blue Owl.
In seinem jährlichen Aktionärsbrief warnt J.P.Morgan-CEO Jamie Dimon vor massiven Unterschätzungen im Private-Credit-Markt: Sobald ein Kreditzyklus einsetze, würden die Verluste bei fremdfinanzierten Krediten deutlich höher ausfallen als vom Markt erwartet. Als Ursachen nennt er aufgeweichte Kreditklauseln, übermäßig optimistische Annahmen zur Schuldnerbonität und den zunehmenden Einsatz sogenannter PIK-Strukturen, bei denen Tilgungszahlungen aufgeschoben statt geleistet werden. Der Private-Credit-Markt sei in einer Dekade niedriger Zinsen und ausbleibender Rezessionen großgeworden und stehe nun vor seiner ersten Belastungsprobe in dieser Größenordnung.
Drei Meldungen illustrieren die Brisanz: Die Goldman Sachs Private Credit Corp. (15,7 Mrd. Dollar) verzeichnete im ersten Quartal Rückgabeanträge von exakt 4,999 Prozent der Anteile und entging damit haarscharf der branchenüblichen 5-Prozent-Schwelle. Bei Barings forderten Anleger die Rückgabe von 11,3 Prozent ihrer Anteile an der 4,9 Milliarden Dollar schweren Barings Private Credit Corp., ausgezahlt wurden jedoch nur 5 Prozent; rund 180 Millionen Dollar blieben eingefroren. Blue Owl Capital erreichte einen historischen Aktienrekordtiefstand bei 8,45 Dollar, nach acht Verlustmonaten in Folge, getrieben unter anderem durch Rückgabeforderungen von über 15 Prozent in einem technologiefokussierten Fonds. Branchenweit stecken nach Medienberichten mehr als 8 Milliarden Dollar in gedeckelten Rückgabefonds fest.




