Wer die Führungskräftevergütung in Deutschland nur am Grundgehalt misst, unterschätzt sie deutlich. Sobald variable Vergütung und vor allem Equity einbezogen werden, verschiebt sich das Bild klar zugunsten des Standorts.
Das mittlere Grundgehalt liegt in Deutschland bei rund 200.000 Euro und damit unter den Niederlanden, Spanien sowie Großbritannien und Irland. Bei der variablen Vergütung liegt Deutschland mit rund 89.000 Euro dagegen vor den Niederlanden und Spanien. Beim medianen annualisierten Equity mit rund 95.000 Euro übertrifft Deutschland sogar die Niederlande und Spanien deutlich. Führungskräfte akzeptieren also ein niedrigeres Grundgehalt für die großzügigsten Equity-Pakete Europas.
Nur etwa 30 Prozent der deutschen Führungskräfte erhalten Aktienoptionen, gegenüber 60 Prozent im europäischen Schnitt, die Lücke füllt Deutschland überwiegend durch Phantom Shares. Grund ist das fehlende Äquivalent zum britischen Enterprise-Management-Incentive-Programm, wodurch Aktienoptionen hierzulande doppelt besteuert werden, einmal bei der Umwandlung, einmal beim Verkauf. Phantom Shares werden dagegen nur einmal beim Liquiditätsereignis besteuert und erfüllen damit die Erwartungen deutscher Tech-Talente, weshalb Vergütungsprogramme am deutschen Markt und nicht an britischen oder amerikanischen Vorlagen ausgerichtet werden sollten. Der unbereinigte Gender Pay Gap bleibt dabei auf Führungsebene besonders groß, vor allem bei Equity, was Unternehmen vor der EU-Entgelttransparenzrichtlinie schon jetzt genauer prüfen sollten.




