Mit generativer KI schrumpft die technische Einstiegshürde für Softwareentwicklung dramatisch. Der Engpass verlagert sich damit von der Umsetzung hin zur Frage, was überhaupt gebaut werden soll.
Über Jahrzehnte war Entwicklerkapazität der limitierende Faktor jeder Digitalstrategie. Diese Logik trägt nicht mehr. Wer heute eine klare Absicht formulieren kann, produziert mit agentischen Coding-Assistenten und einem Token-Budget funktionierende Software. In vielen Unternehmen bauen Mitarbeitende ohne technischen Hintergrund eigene Anwendungen. Das Nadelöhr liegt jetzt bei der Führung: Welche Vorhaben werden umgesetzt, welche unterbleiben bewusst?
In der Praxis zeigen sich zwei problematische Muster. Einige Unternehmen setzen auf maximale Token-Nutzung samt firmeninterner Verbrauchs-Rankings. Andere haben ihr Jahresbudget nach wenigen Wochen aufgebraucht. Beide Wege optimieren die falsche Größe. Weder Menge noch Sparsamkeit entscheiden über Wertschöpfung, sondern die Frage, ob das Richtige entsteht und tatsächlich Ertrag bringt.
Audi Rowe und Tommaso Babucci von EY empfehlen, das kulturelle Fundament vor der technischen Infrastruktur zu legen. Belohnt werden sollte nicht Verbrauch, sondern messbarer Nutzen. Belegschaften brauchen zwei Kompetenzen zugleich: das Bauen mit KI und die Fähigkeit, deren Ergebnisse fundiert zu beurteilen. Sinnvoll ist ein abgestuftes Modell mit breiter Experimentierfläche, einem zertifizierten Kreis für den Produktivbetrieb und einer eigenen Gruppe für Qualitätsschleusen. Ergänzend braucht es Leitplanken für Kosten und einen definierten Wertbeitrag pro Agent sowie eine bewusste Balance zwischen Bauenden und Kontrollierenden.




