Wie ein Mittelständler seine Gehaltsstruktur komplett aufräumt

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August 11, 2026
19.08.2026
2 Minuten Lesezeit

Zehn Jahre Wachstum hatten beim Fotobox-Verleiher Kruu zu historisch gewachsenen, kaum nachvollziehbaren Gehältern geführt. CEO Philipp Schreiber erklärt, wie er ein rollenbasiertes Vergütungssystem aufgebaut hat, das auch vor der EU-Entgelttransparenzrichtlinie bestehen soll.

Rollen zuerst, Gehälter danach

Auslöser für die Neuordnung war laut Mitgründer und CEO Philipp Schreiber eine Kombination aus internem Druck durch das Personalwachstum und der eigenen Überzeugung, Gehälter nicht mehr nach Bauchgefühl zu vergeben. Zunächst definierte die People-and-Culture-Abteilung für jede Funktion klare Rollenbeschreibungen, etwa Junior-, Intermediate- und Senior-Stufen in der Softwareentwicklung. Erst danach wurden dazu passende Gehaltsbänder aus Datenquellen wie Kununu und der Bundesagentur für Arbeit festgelegt. Die Bänder wurden bewusst mit Lücken zueinander versehen, damit ein Wechsel ins nächste Band eine echte Rollenveränderung voraussetzt. Das neue Modell wurde zunächst für die Führungsebene eingeführt, wobei sich zeigte, dass einzelne langjährige Führungskräfte unter dem lagen, was ihre inzwischen gewachsene Verantwortung eigentlich rechtfertigte. Anpassungen erfolgten ausschließlich nach oben und wurden über rund anderthalb Jahre mit insgesamt etwa 150.000 Euro umgesetzt.

Kein Gender Pay Gap, aber neue Pflichten für andere

Bei den 83 Kruu-Beschäftigten, 43 Frauen und 40 Männer, gibt es laut Schreiber keinen Gender Pay Gap, allerdings ohne bewusste Steuerung. Bezahlt werde nach Rolle und Eignung, nicht nach Abschluss oder Person. Für Unternehmen ab 100 Beschäftigten wird das Thema durch die EU-Entgelttransparenzrichtlinie künftig jedoch zur Pflicht. Ab Juli 2027 für Betriebe mit mehr als 150, ab Juli 2031 auch für 100 bis 149 Beschäftigte. Bei einem unbegründbaren Unterschied von mehr als fünf Prozent greift dann die Pflicht zur gemeinsamen Entgeltbewertung. Laut dem German Business Panel der Universität Mannheim hat mehr als jedes vierte Unternehmen von der Richtlinie noch nie gehört, weitere 52 Prozent haben sich mit den Anforderungen noch nicht befasst. Schreiber rät, nicht auf ein perfektes System zu warten, sondern mit rund 80 Prozent zu starten und die Struktur als lebendes Dokument zu verstehen, das sich bei Bedarf anpassen lässt.

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