Zwei junge Beschäftigte der Beratungsgesellschaft EY werden beschuldigt, während einer Abordnung bei der Commonwealth Bank of Australia unerlaubt auf die Bankdaten von Premierminister Anthony Albanese zugegriffen zu haben. Die australische Bundespolizei hat die beiden Männer im Mai angeklagt.
Die zwei Mitarbeiter im Alter von 21 und 25 Jahren waren als Berufseinsteiger auf einem sogenannten Secondment bei der Bank tätig, einer Art zeitlich befristeten Entsendung. Aufgefallen war die Sache, weil die Bank ungewöhnliche Aktivitäten in ihren Systemen entdeckte. Der 21-Jährige wird beschuldigt, unerlaubt auf geschützte Daten zugegriffen und personenbezogene Informationen auf eine als bedrohlich oder belästigend eingestufte Weise weiterverbreitet zu haben. Der 25-Jährige muss sich wegen unerlaubten Zugriffs auf geschützte Daten verantworten, wobei er gewusst haben soll, dass ihm dieser Zugriff nicht zustand. Beide sind auf Kaution frei und wurden zwischenzeitlich von EY entlassen.
Schatzkanzler Jim Chalmers bezeichnete den Vorfall als äußerst besorgniserregend, und zwar nicht nur mit Blick auf den betroffenen Regierungschef, sondern für alle Australier. Sowohl EY als auch die Commonwealth Bank verzichten mit Verweis auf das laufende Verfahren auf Details.
Der Vorfall reiht sich in eine Kette von Ereignissen ein, die den australischen Ableger der großen Beratungshäuser seit Monaten beschäftigen. KPMG steht wegen mutmaßlichen Missbrauchs vertraulicher Mandanteninformationen und des Umgangs mit Hinweisgebern unter Beschuss. Führungskräfte mussten gehen, staatliche Aufträge wurden für drei Monate eingefroren. PwC wiederum hatte sich 2022 mit einem Skandal um vertrauliche Regierungsinformationen im Steuerbereich einen Riegel für Bundesaufträge eingehandelt.
Der jüngste Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf. Wie gut sind die Sicherheitsvorkehrungen großer Banken, wenn Externe während einer Abordnung Zugriff auf besonders sensible Kundenkonten erhalten können? Und welche Grenzen setzen die Beratungshäuser selbst dem Verhalten ihrer Berufseinsteiger? Die politischen Rufe nach strengerer Aufsicht der Big Four dürften mit diesem Vorfall weiteren Auftrieb erhalten.




