EY-Studie: Österreichs Startup-Boom hat ein Geschlecht

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September 16, 2026
17.09.2026
2 Minuten Lesezeit

Der österreichische Finanzierungsmarkt boomt mit 472 Millionen Euro Risikokapital im ersten Halbjahr, doch laut einer Analyse von EY Österreich gingen 94,9 Prozent davon an rein männliche Gründungsteams.

Wenn 0,3 Prozent das ganze Problem erzählen

Eine einzige Zahl fasst die Schieflage am österreichischen Wagniskapitalmarkt zusammen: Von jedem investierten Euro landeten im ersten Halbjahr 2026 nur 0,3 Prozent bei rein weiblich geführten Jungunternehmen. Der übrige Löwenanteil, konkret 94,9 Prozent, floss an Teams, in denen ausschließlich Männer am Steuer saßen; gemischte Gründungen kamen auf 4,8 Prozent. Diese Verteilung stammt aus dem Female Start-up Funding Index H1/2026, für den EY Österreich zusammen mit Female Founders und Fund F alle abgeschlossenen Finanzierungsrunden heimischer Startups zwischen Januar und Juni ausgewertet hat. Verglichen mit dem Vorjahr hat sich das Bild nur marginal verschoben.

Ein Boom, der die Ungleichheit nicht auflöst

Dass sich diese Kluft ausgerechnet in einem Ausnahmejahr zeigt, macht sie umso auffälliger. Das Finanzierungsvolumen schnellte binnen Jahresfrist um 329 Prozent auf 472 Millionen Euro nach oben, und mit 97 statt zuvor 78 Runden verzeichnete der Standort so viele Deals wie in keinem Halbjahr zuvor. Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich, führt die anhaltende Konzentration vor allem auf die Mechanik der späten Finanzierungsphasen zurück. Dort dominierten etablierte Venture-Capital-Fonds, die sich an gewachsenen Beziehungen und bewährten Erfolgsmustern orientierten, und just diese großen Wachstumsrunden entschieden über die Kapitalverteilung. Gründerinnen fänden hier seltener Anschluss, weshalb sich das Geld auf einen kleinen Kreis von Unternehmen ballt.

Nicht die Basis, sondern der Zugang

Gegen den Reflex, es gründeten schlicht zu wenige Frauen, sprechen die erhobenen Werte selbst. Unter den mindestens 248 erfassten Gründungspersonen stehen 217 Männern immerhin 31 Frauen gegenüber, ein Anteil von rund 13 Prozent und damit ein Höchststand. Bei den 95 finanzierten Startups mit bekanntem Team blieb das weibliche Gründen dennoch die Ausnahme: 72 waren rein männlich, 20 gemischt und lediglich drei ausschließlich weiblich aufgestellt. Für Haas liegt der Engpass damit nicht an der Zahl der Gründerinnen, sondern an ihrem Zugang zu Investorennetzwerken und internationalem Kapital. Den aktuellen Aufschwung deutet EY Österreich zugleich als Gelegenheit, die Verhältnisse zu korrigieren, vorausgesetzt, Geldgeber lösen sich bewusst von ihren eingespielten Mustern.

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