Der Risikokapitalmarkt erholt sich, doch Investoren werden wählerischer. Deutschland legt kräftig zu, KI und Rüstung dominieren die Geldflüsse.
Europas Start-up-Szene hat ein turbulentes Jahr hinter sich. 62 Milliarden Euro Risikokapital sammelten junge Unternehmen 2025 ein. Das liegt über dem Vorjahr, aber deutlich unter den Boomjahren 2021 und 2022. Die Zahl der Finanzierungsrunden schrumpfte um 16 Prozent auf knapp 7.700. Das zeigt das aktuelle European Start-up-Barometer von EY. Was steckt dahinter? Investoren schauen genauer hin, nehmen sich mehr Zeit, verteilen ihr Kapital auf weniger Unternehmen. Die Tickets werden größer, die Anforderungen steigen. Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich, ordnet ein: „2025 war ein Jahr der Neuordnung und der bewussten Rückkehr zu Qualität. Kapital fließt wieder – aber unter neuen Bedingungen, mit strengeren Anforderungen und klareren Prioritäten."
Künstliche Intelligenz hat alles andere in den Schatten gestellt. Mistral AI, Isomorphic Labs, Parloa und andere holten Milliardenbeträge. KI ist nicht mehr Zukunftsmusik, sondern der Motor des europäischen Wagniskapitals. Daneben boomt DefenceTech. Geopolitische Spannungen und Europas Streben nach technologischer Souveränität treiben Unternehmen wie Helsing, Isar Aerospace und Quantum Systems nach vorn. ClimateTech bleibt wichtig, auch wenn die Wachstumsraten etwas nachgelassen haben. Dekarbonisierung, Netzausbau und nachhaltige Energie ziehen weiter Kapital an. „KI, DefenceTech und ClimateTech sind die Wachstumsachsen Europas", sagt Haas. „Das Kapital fließt dorthin, wo technologische Tiefe, internationale Skalierung und langfristige strategische Relevanz zusammenkommen."
Im Länderranking bleibt Großbritannien vorn. 19 Milliarden Euro und über 2.300 Deals, mehr als Deutschland und Frankreich zusammen. Doch Berlin und München holen auf. Deutschland steigerte sein Volumen um 19 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Rundengröße kletterte auf 11,7 Millionen Euro, ein Zeichen für wachsende Reife. Frankreich hält sich mit 7,4 Milliarden auf Platz drei. Die Niederlande und die Schweiz spielen mit 4,5 beziehungsweise 3,5 Milliarden ebenfalls vorne mit.
Die Zahlen erzählen eine Geschichte der Konzentration. Weniger Deals, aber größere Summen. Investoren bündeln ihr Geld bei Unternehmen, die bereits tragfähige Geschäftsmodelle vorweisen können. „Wir sehen deutlich, dass Investor:innen inzwischen mehr Substanz verlangen", sagt Haas. „Entscheidend ist, ob Start-ups Effizienz gezeigt, ihre Kostenstrukturen verbessert und überzeugende Unit Economics aufgebaut haben."
Die größten Runden fanden in Großbritannien statt. Convex Group sammelte 1,9 Milliarden Euro, Mistral AI aus Frankreich 1,7 Milliarden, Dream Games aus der Türkei 1,1 Milliarden. Auch deutsche Scale-ups wie Helsing und Green Flexibility erreichten dreistellige Millionenbeträge.
EY sieht auch die Rahmenbedingungen als Stellschraube. Die geplante EU Inc könnte Gründungen europaweit in 48 Stunden ermöglichen und einheitliche Standards schaffen. „Wenn Gründungen europaweit in 48 Stunden möglich werden und einheitliche Standards die Expansion vereinfachen, profitieren Gründer:innen und Investor:innen gleichermaßen", sagt Haas.




