Eine Gruppe von Professoren legt ein Reformpapier vor. Sie wollen künstliche Intelligenz fest in der Ausbildung verankern und die Prüfungen umkrempeln.
Vor zwei Jahren rüttelten Professoren an den Grundfesten der Juristenausbildung. Weniger Ballast, neue Abschlussoptionen, bessere Beschwerdewege. Jetzt legen sie nach. Die "KI-Edition" des Hamburger Protokolls nimmt sich der Frage an, wie Algorithmen in den Hörsaal kommen sollen. Tabea Baumeister aus Regensburg, Michael Grünberger von der Bucerius Law School und Paulina Jo Pesch aus Erlangen-Nürnberg haben das Papier federführend erarbeitet. Die Begründung leuchtet ein. Wer später in Ministerien, Gerichten oder Konzernzentralen sitzt, muss mit KI umgehen können. Gleichzeitig entwertet die Technologie reines Auswendiglernen. Maschinen spucken Fachwissen auf Knopfdruck aus. Was bleibt, sind Urteilsvermögen, Systemverständnis und die Fähigkeit, mit Menschen zu reden. Genau das müsse die Ausbildung stärker trainieren. Das Papier stellt verschiedene Modelle vor. Variante eins packt zusätzliche Kurse obendrauf: juristisches Prompten, Verifizierung von KI-Ergebnissen. Problem: Das Studium quillt jetzt schon über. Zehn bis elf Semester sind normal. Variante zwei verschränkt juristische Grundlagen und KI-Kompetenz schrittweise miteinander. Risiko: Wer nur aufs Examen schielt, blendet alles andere aus.
Am Ende wartet die Prüfung, und die ändert sich nicht von allein. Solange Klausuren Detailwissen aus allen Rechtsgebieten abfragen, werden Studierende genau das büffeln. Die Verfasser fordern, Prüfungen auf echtes Verständnis auszurichten statt auf auswendig gelernten Stoff. Manche sagen der Hausarbeit das Ende voraus, weil KI sie in Minuten ausspuckt. Die Autoren sehen das entspannter. Man könne den Einsatz ausdrücklich erlauben und Studierende ihre Arbeit hinterher mündlich verteidigen lassen. Wer nur kopiert hat, fliegt auf. Alternativ schlagen sie Portfolioprüfungen vor: Note aus fertigem Text plus Präsentation über den KI-Einsatz. Das Papier versteht sich als Denkanstoß, nicht als fertiges Rezept. Es entstand aus einem Workshop Ende 2025, an dem Professoren, Praktiker, Studierende und Vertreter aus Justiz und Legal Tech teilnahmen.




