Der Stablecoin-Emittent beauftragt eine Big-Four-Gesellschaft mit einem umfassenden Audit. Das Unternehmen will damit jahrelanger Kritik an seiner Intransparenz begegnen.
Tether geht in die Offensive. Das Unternehmen hinter dem weltgrößten Stablecoin USDT hat einen der vier großen Wirtschaftsprüfer mit einer vollständigen Finanzprüfung beauftragt. Welche Gesellschaft den Zuschlag bekam, verrät Tether nicht. Die Auswahl sei in einem Wettbewerbsverfahren erfolgt, erklärte Finanzchef Simon McWilliams. Bislang veröffentlichte Tether lediglich periodische Attestierungen, Stichtagsaufnahmen der Reserven ohne tiefere Analyse. Das angekündigte Audit geht weiter: Vermögenswerte, Verbindlichkeiten, interne Kontrollen und Berichtssysteme werden unter die Lupe genommen. Die Dimension ist gewaltig. USDT hat eine Marktkapitalisierung von über 184 Milliarden Dollar und ist der mit Abstand größte Stablecoin. Ein Vertrauensverlust würde den gesamten Kryptomarkt erschüttern. Tether selbst spricht vom größten erstmaligen Audit in der Finanzgeschichte.
Kritiker bezweifeln seit Jahren, ob jeder USDT-Token tatsächlich durch einen Dollar gedeckt ist. Das Unternehmen gibt an, seine Reserven bestünden hauptsächlich aus US-Staatsanleihen, ergänzt durch Gold, Bitcoin und verschiedene Kredite. Genau diese Mischung wirft Fragen auf. Skeptiker bemängeln die Liquidität einzelner Positionen, besonders in Stressphasen. Das Audit soll nicht nur Bestände zählen. Die Prüfer werden auch untersuchen, wie Tether seine Reserven verwaltet, welche Kontrollmechanismen greifen und wie belastbar die Berichtssysteme sind. CEO Paolo Ardoino will damit einen neuen Standard für Offenlegung setzen. Parallel zur Prüfung räumt Tether sein Portfolio auf. Gelistete Wertpapiere innerhalb der Holding-Struktur sollen verschoben werden, um die Zusammensetzung zu optimieren. Das Audit soll volle Transparenz über die Positionierung dieser Bestände liefern.




