Family Offices schichten Milliarden um

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July 10, 2026
10.07.2026
3 Minute Lesezeit

Geopolitik verdrängt die Zinsfrage

Die Strategieberatung Roland Berger hat in ihrer Studie „New asset allocation in challenging times“ zwischen Dezember 2025 und März 2026 88 Family Office Verantwortliche mit klarem DACH Schwerpunkt befragt, unter Federführung von Senior Partner Justus Jandt. 78 Prozent der Teilnehmer stammen aus Deutschland, 14 Prozent aus der Schweiz und 6 Prozent aus Österreich. Das auffälligste Ergebnis: 88 Prozent stufen geopolitische Umbrüche als bedeutende oder sehr bedeutende Herausforderung ein, nach 65 Prozent in der Vorperiode, damit rutscht die Zinsunsicherheit von Platz eins auf Platz zwei, nur noch 68 Prozent halten sie für bedeutsam nach 78 Prozent zuvor. Gleichzeitig gewinnen strukturelle Themen an Gewicht, die Digitalisierung nennen 65 Prozent als wesentliche Herausforderung, die Energie und Rohstoffkrise 59 Prozent, am unteren Ende der Skala liegen Pandemien mit 17 Prozent und der Klimawandel mit 16 Prozent. Nach mehreren durchlebten Krisen haben die Family Offices ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt und reagieren dank verbessertem Risikomanagement diszipliniert und flexibel auf Marktverwerfungen.

Private Equity als Anker der Allokation

Bei der Vermögensaufteilung bleiben Immobilien mit 97 Prozent die am weitesten verbreitete Assetklasse nach 92 Prozent zuvor, zugleich planen hier aber die zweitmeisten Befragten eine Reduktion. Cash halten 94 Prozent der Family Offices nach 92 Prozent, was die hohe Bedeutung von Liquidität unterstreicht. Die stärkste Dynamik zeigen Private Equity Fonds, 88 Prozent sind investiert und 55 Prozent wollen ihre Positionen aufstocken nach 48 Prozent in der Vorperiode. Es folgen Direktbeteiligungen, in denen 83 Prozent engagiert sind und 50 Prozent ausbauen wollen nach 57 Prozent zuvor. Insgesamt plant damit mehr als die Hälfte der Family Offices eine höhere Private Equity Quote, eine strategische Verschiebung hin zu mehr Kontrolle und stärkerer Nutzung interner Kompetenzen. Auf Rang drei der Aufstockungspläne liegen Edelmetalle mit 45 Prozent, ein deutlicher Sprung gegenüber 29 Prozent zuvor und ein weiteres Indiz für die defensive Grundhaltung. Das schwächste Segment bleibt Venture Capital, nur 19 Prozent wollen aufstocken nach 20 Prozent, während 35 Prozent ihr Engagement reduzieren, die Risikoaversion steigt also spürbar.

Infrastruktur wird zum wichtigsten Investitionsfeld

Auch inhaltlich schärfen die Family Offices ihren Fokus. Infrastruktur ist die klare Priorität, 69 Prozent planen Investments in diesem Bereich nach lediglich 41 Prozent zuvor, ein Plus von 28 Prozentpunkten, das die Studienautoren auf stabile, inflationsgebundene Erträge zurückführen. Dahinter folgt Medizin und Healthcare mit 58 Prozent, während Wachstumsthemen an Zugkraft gewinnen, Künstliche Intelligenz legt von 37 auf 45 Prozent zu, Finance und Fintech steigen von 8 auf 19 Prozent. Regional bleiben die Portfolios international, aber nicht vollständig globalisiert, 90 Prozent investieren im Ausland, doch nur 40 Prozent legen mehr als die Hälfte ihres Vermögens international an. Nordamerika bleibt mit 88 Prozent Relevanz der wichtigste internationale Markt, dicht gefolgt von Nordeuropa mit 87 Prozent, wo 60 Prozent ihr Engagement ausbauen wollen. Organisatorisch bleibt Cybersicherheit mit 87 Prozent das wichtigste interne Thema, während Nachfolge und Governance Strukturen an Bedeutung verlieren, ein Hinweis auf gereifte, formalisierte Prozesse.

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