Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erreicht den höchsten Stand seit 2005. Besonders besorgniserregend: Auch strukturell gesunde Betriebe verlassen den Markt und reißen Know-how und Innovationskraft mit sich.
Im April 2026 wurden in Deutschland 1.776 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert, drei Prozent mehr als im März und zehn Prozent mehr als im April 2025. Das ist der höchste Wert seit Juni 2005, wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilt. IWH-Insolvenzforscher Steffen Müller rechnet bis einschließlich Juli mit anhaltend hohen Fallzahlen. Auch Creditreform-Chefökonom Patrik-Ludwig Hantzsch erwartet für 2026 weitere Anstiege und warnt: „Dazu ist das Jahr eine viel zu große Blackbox."
Besonders alarmierend ist laut Hantzsch, dass zunehmend Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe ausscheiden, die eigentlich über eine gesunde Unternehmensstruktur verfügen. Mit ihnen verschwinde unwiederbringlich Innovations- und Produktionskompetenz, die Deutschland langfristig brauche. Westeuropa verzeichnete 2025 mit insgesamt 197.610 Firmenpleiten die höchste Insolvenzquote seit mehr als 20 Jahren, ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutschland lag mit plus 8,8 Prozent über dem europäischen Schnitt. Als Ursachen nennt Hantzsch neben schwachem Welthandel und geopolitischen Risiken vor allem hohe Energiepreise und Bürokratie: „Diese doppelte Belastung frisst sich tief in die Substanz vieler Betriebe."




