UniCredit hat ihr formales Kaufangebot für alle noch nicht gehaltenen Commerzbank-Anteile vorgelegt. Das Angebot ist für Aktionäre derzeit wenig attraktiv und gilt bei Beobachtern eher als taktisches Manöver.
UniCredit, die bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert, hat ihr Übernahmeangebot für sämtliche übrigen Anteile formell vorgelegt. Für jede Commerzbank-Aktie bieten die Italiener 0,485 neue UniCredit-Aktien; nach dem heutigen Kurssprung in Mailand entspricht das 34,35 Euro je Papier. Das Angebot gilt bis zum 16. Juni. Die erforderliche Kapitalerhöhung über bis zu 470 Millionen neue Aktien wurde auf einer außerordentlichen Hauptversammlung mit 99,55 Prozent des vertretenen Kapitals genehmigt. UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte die Vorlage des formalen Angebots bereits gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für diesen Termin angekündigt.
Das Angebot gilt für Marktteilnehmer derzeit als wenig attraktiv: Der Commerzbank-Kurs notiert mit rund 35 Euro bereits über dem Angebotspreis. Der deutsche Staat, der noch gut zwölf Prozent hält, hat klar signalisiert, nicht verkaufen zu wollen. Beobachter sehen in dem Schritt vor allem ein taktisches Manöver, um ein Pflichtangebot zu vermeiden, das bei Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle automatisch erforderlich und deutlich teurer wäre. UniCredit geht selbst nicht davon aus, mit dem aktuellen Angebot die Kontrollmehrheit zu erlangen. Dennoch hat Orcel zuletzt einen Umbauplan skizziert, demzufolge bei einer Übernahme rund 7.000 Stellen in Deutschland entfallen könnten. Commerzbank, Betriebsrat und Belegschaft lehnen das als feindlich empfundene Vorgehen weiterhin entschieden ab. Parallel meldete UniCredit für das erste Quartal einen Rekordgewinn: Der Überschuss stieg um 16 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.




