Deutsche Führungskräfte bevorzugen inhabergeführte Prüfungsgesellschaften. Unabhängigkeit und persönliche Verantwortung schlagen Innovationsversprechen.
Finanzinvestoren wittern Chancen in der Wirtschaftsprüfung. Immer öfter kaufen sie sich in Prüfungs- und Beratungshäuser ein. Doch wie nehmen Mandanten diese Entwicklung wahr? Die Bonner Kanzlei dhpg hat gemeinsam mit YouGov nachgefragt und knapp 360 Führungskräfte aus Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern interviewt.
Erstes Ergebnis: Der Trend fliegt unter dem Radar. Nicht einmal jeder Zweite hat überhaupt davon gehört, dass Beteiligungsgesellschaften in der Branche aktiv sind.
Wer die beiden Modelle vergleichen soll, entscheidet sich klar. Inhabergeführte Gesellschaften punkten bei fast allen abgefragten Eigenschaften. Mandantennähe? 64 Prozent schreiben sie den Partnermodellen zu, nur 53 Prozent den investorengestützten Varianten. Persönliche Verantwortung? 61 gegen 52 Prozent. Langfristiges Denken? 62 gegen 54 Prozent. Sogar bei finanzieller Solidität und professioneller Führung liegen die Eigentümergeführten vorn. Einen Vorteil räumen die Befragten den Beteiligungsmodellen ein: Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft trauen ihnen 61 Prozent zu, den Partnergesellschaften nur 57 Prozent.
Für die überwältigende Mehrheit, 86 Prozent, zählt Unabhängigkeit von externen Geldgebern zu den wichtigsten Auswahlkriterien. Zwar glaubt gut die Hälfte, dass Finanzinvestoren die Bedürfnisse mittelständischer Betriebe grundsätzlich nachvollziehen können. Doch beim Vertrauen in die konkrete Beratungsleistung zeigt sich ein deutlicher Abstand: Vier von zehn Befragten setzen eher auf Partnerhäuser, nur gut jeder Zehnte auf investorenfinanzierte Prüfer.
Andreas Blum, Managing Partner der dhpg, ordnet ein: „Die Ergebnisse zeigen, dass Führungskräfte in Unternehmen vor allem Verlässlichkeit, persönliche Verantwortung und Unabhängigkeit schätzen. Partnergeführte Gesellschaften stehen mit ihrem eigenen Namen für die Qualität ihrer Arbeit und treffen Entscheidungen ohne Einfluss externer Kapitalgeber."
Je komplexer die Vorschriften und je unsicherer die Wirtschaftslage, desto wertvoller werden langjährige Beziehungen zwischen Prüfer und Mandant. Die Erhebung deutet darauf hin, dass inhabergeführte Häuser diesen Wunsch nach Kontinuität besser bedienen als Wettbewerber mit Finanzinvestoren im Rücken.




