Die Trump-Administration diskutiert offenbar staatliche Prüfverfahren für neue KI-Modelle. Auslöser sollen Sorgen vor Cyberangriffen sein.
Ausgerechnet die Regierung, die der Technologiebranche bislang weitgehend freie Hand ließ, denkt offenbar um. Die New York Times berichtet unter Berufung auf Insider, dass das Weiße Haus die Einrichtung einer Arbeitsgruppe erwägt. Technologiebosse und Regierungsvertreter sollen dort gemeinsam Kontrollmechanismen für künstliche Intelligenz entwerfen. Gespräche mit Führungskräften von Anthropic, Google und OpenAI hätten bereits stattgefunden. Auf dem Tisch liegt angeblich ein Verfahren, bei dem Behörden neue Modelle vor der Veröffentlichung unter die Lupe nehmen dürften. Ein Vetorecht wäre damit nicht verbunden, aber ein Informationsvorsprung.
Wer würde prüfen? Als mögliche Akteure nennt die Zeitung den Auslandsgeheimdienst NSA, das Cyber-Büro im Weißen Haus und den nationalen Geheimdienstkoordinator. Auch eine unter Biden geschaffene Behörde für KI-Standards könnte reaktiviert werden, obwohl sie unter der aktuellen Regierung praktisch bedeutungslos geworden war.
Warum der Sinneswandel? Bislang lautete die Devise: Tempo machen, nicht bremsen. Im globalen Rennen mit China sollte die heimische Industrie möglichst ungehindert entwickeln dürfen. Eine der ersten Maßnahmen nach Amtsantritt war die Streichung einer Vorschrift, die Sicherheitstests und Meldepflichten für besonders mächtige Modelle vorsah. Doch nun scheinen Cyberrisiken Sorgenfalten zu verursachen. Die Zeitung zitiert Quellen, die vor den politischen Folgen eines schweren KI-gestützten Angriffs warnen.
Im April stellte Anthropic ein System namens Mythos vor, das Sicherheitslücken besonders effektiv aufspürt und ausnutzt. Wegen seines Missbrauchspotenzials blieb es unter Verschluss. Nur ausgewählte Partner erhielten Zugang, darunter amerikanische Sicherheitsbehörden. Auch die NSA durfte vorab testen. Trotz Spannungen zwischen Anthropic und dem Pentagon suchte Washington anschließend wieder den Dialog. Die Brisanz von Mythos dürfte dabei eine Rolle gespielt haben.
Das Weiße Haus wiegelt ab. Ein Sprecher bezeichnete die Berichte als Spekulation. Sollte es politische Neuigkeiten geben, werde der Präsident sie selbst verkünden.




