Warburg Pincus setzt bei Infoniqa auf den früheren SAP Deutschlandchef Sven Mulder. Der Personalwechsel ist ein Signal, dass Buy and Build im Mittelstand zunehmend von Integration, Plattformlogik und KI-Positionierung abhängt.
Warburg Pincus hat für den Softwarehersteller Infoniqa einen neuen CEO verpflichtet: Sven Mulder, der bis vor Kurzem das Deutschlandgeschäft von SAP geleitet hat, übernimmt zum 1. Mai von Hans Jürgen Wels. Infoniqa bietet Geschäftssoftware etwa für Personalmanagement, Gehaltsabrechnung und Finanzbuchhaltung und fokussiert sich auf kleine und mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Zu den Konkurrenten zählen Personio, Datev und P&I, ein Umfeld, in dem Produktbreite und Integrationsfähigkeit zunehmend über Marktanteile entscheiden.
Mulder verantwortete bei SAP ab 2022 das Deutschlandgeschäft mit 5,8 Milliarden Euro Umsatz und hatte als Kernaufgabe, Kunden vom Strategieschwenk hin zur Cloud zu überzeugen. Für Infoniqa ist dieses Profil naheliegend, weil Skalierung im Midmarket über Standardisierung, Cloud Migration und professionellen Vertrieb entschieden wird. Für CFOs in Portfolio Unternehmen ist damit auch klar, woran der neue CEO gemessen wird: wiederholbare Implementierung, stabile Retention und ein Portfolio, das sich als Plattform statt als Sammlung einzelner Produkte verkauft.
Seit dem Einstieg von Warburg Pincus im Jahr 2020 hat Infoniqa mehrere Firmen übernommen, darunter Perview Systems, Hamburger Software und BRZ Germany in Deutschland sowie das Schweizgeschäft von Sage. Die Gruppe erzielte 2025 nach eigenen Angaben mit 30.000 Kunden 175 Millionen Euro Umsatz. Das Wachstum folgt der Private Equity Logik, doch mit jedem Zukauf steigt der Integrationsdruck, weil Systeme, Datenmodelle und Prozesse aufeinander abgestimmt werden müssen.
Mulders Aufgabe wird sein, die Produkte zu einem einheitlichen Portfolio zusammenzuführen, Ziel sei eine „integrative Plattform“ mit Fokus auf Künstliche Intelligenz. Damit verschiebt sich die Value Creation von Multiple Expansion hin zu operativer Exzellenz: harmonisierte Roadmap, Cross Selling Mechanik, konsistentes Pricing und einheitliche Datenbasis. Für Steuer und Rechtsberater gewinnen Fragen zu IP-Struktur, Lizenzmodellen, Transfer Pricing und Post Merger Integration Governance zusätzlich an Gewicht.
Warburg Pincus hat die Beteiligung in einen Continuation Fund transferiert und signalisiert damit einen längeren Investitionshorizont. Das nimmt kurzfristigen Exit Druck heraus, erhöht aber die Erwartung an planbare Meilensteine, insbesondere bei Integration und KI Produktisierung. Konkrete Pläne für Verkauf oder Börsengang gebe es derzeit nicht, die Exit Option bleibt jedoch der strategische Bezugspunkt.
Gleichzeitig verweist der Artikel auf ein schwierigeres Bewertungsumfeld, weil Softwarebewertungen zuletzt gesunken sind und Investoren eine Disruption durch Künstliche Intelligenz fürchten. Umso stärker wird die Differenzierung über Governance, nachweisbare Synergien und belastbare Margen. Der Managerwechsel ist damit nicht nur eine Personalie, sondern eine Ansage: Der nächste Werthebel liegt in der Integration, nicht im nächsten Zukauf.




