Family Offices wollen KI und meiden die passenden Anlageklassen

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February 4, 2026
10.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Viele Family Offices setzen KI auf die Prioritätenliste, doch die Allokation folgt dem Anspruch bislang nur begrenzt. Der J.P. Morgan Global Family Office Report 2026 zeigt eine deutliche Kluft zwischen Strategie und Portfolio Realitäten.

KI-Priorität trifft auf Allokationslücke

Der Report basiert auf einer Umfrage unter 333 Family Offices aus 30 Ländern, das durchschnittliche Nettovermögen der Teilnehmer liegt bei rund 1,6 Milliarden US Dollar. 65 Prozent geben an, Investitionen in künstliche Intelligenz zu priorisieren, gleichzeitig sind 57 Prozent weder in wachstumsorientierten Beteiligungen noch in Wagniskapital investiert. Damit fehlt vielen ausgerechnet der Zugang zu den Segmenten, in denen ein erheblicher Teil der KI-Innovation finanziert und skaliert wird. Mehr als 70 Prozent investieren zudem nicht in Infrastruktur, obwohl die KI-Entwicklung auf Rechenzentren, Netze und Energieversorgung angewiesen ist. Für Berater und Finanzverantwortliche ist das ein Hinweis darauf, dass viele Mandate zwar technologieoffen argumentieren, in der praktischen Allokation aber defensiv bleiben.

Chancen in der gesamten KI-Wertschöpfungskette

Natacha Minniti, Global Co Head Family Office Practice bei der J.P. Morgan Private Bank, plädiert für eine breitere Perspektive: „Um die KI Opportunität vollständig zu nutzen, sollten Investoren über die Mega Cap Leader hinausblicken und sich auf die Enabler der Lieferkette konzentrieren von Halbleitern und Strominfrastruktur bis hin zu Netzwerk und Kühlsystemen“. Ebenso wichtig sei das Exposure zu Private Markets, wo die Top Ten KI-Unternehmen bereits mit rund 1,5 Billionen Dollar bewertet würden. Der Befund zielt damit weniger auf Einzeltitel als auf die Frage, ob Portfolios die gesamte Wertschöpfungskette abdecken oder nur die sichtbarsten Gewinner.

Geopolitik verdrängt Inflation als Top Risiko

Geopolitische Unsicherheit hat Inflation als größtes Risiko abgelöst, 64 Prozent nennen Geopolitik als Hauptsorge. Auffällig ist zugleich, dass klassische Absicherungen selten genutzt werden: 72 Prozent haben keine Gold Exposure, 89 Prozent halten keine Kryptowährungen. Stattdessen bevorzugen viele Sachwerte und etablierte Strategien, was die vorsichtige Portfoliopositionierung erklärt. Family Offices, die besonders besorgt über Inflation sind, allokieren fast 60 Prozent ihres Kapitals zu Alternativen und liegen damit rund 20 Prozent über dem globalen Durchschnitt, mit Schwerpunkt auf Hedgefonds und Immobilien.

Nachfolgeplanung als kritische Schwachstelle

Die Studie zeigt eine operative Lücke in der Organisation, nämlich bei der Nachfolgeplanung: 86 Prozent haben keinen klaren Nachfolgeplan für wichtige Entscheidungsträger. Bei Family Offices mit eigenen Operating Companies sehen 53 Prozent die Nachfolgeplanung als Top Thema. Für die Praxis bedeutet das, dass nicht nur die Allokation, sondern auch Entscheidungsprozesse, Vertretungsregeln und Kontinuität im Investment Komitee stärker professionalisiert werden müssen, wenn die angekündigten KI-Ambitionen tatsächlich in Portfoliostrategien übersetzt werden sollen.