Die Wachstumserzählung bei Abnehm-Medikamenten bekommt Risse. Novo Nordisk stellt für 2026 ein Umsatzminus in Aussicht und muss zugleich Preisdruck, Wettbewerb und Politikrisiken in den USA managen.
Novo Nordisk gerät bei Wegovy und Ozempic unter Druck, weil der Wettbewerb intensiver wird und die Preisgestaltung in den USA zunehmend politisch geprägt ist. Konzernchef Mike Doustdar sprach in einer Telefonkonferenz von einem „nie dagewesenen Preisdruck“. Die Aktie reagierte entsprechend heftig und fiel zeitweise um 18 Prozent auf rund 40 Euro, nachdem der Kurs im Juni 2024 noch nahe 140 Euro notiert hatte. Um gegenzusteuern, kündigt der Konzern für 2026 einen Aktienrückkauf von bis zu 15 Mrd. dänischen Kronen an, umgerechnet etwa 2 Mrd. Euro. Parallel belastet eine Einigung mit der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, die niedrigere Medikamentenpreise vorsieht, die Ertragsperspektive im wichtigsten Absatzmarkt.
Für 2026 rechnet Novo Nordisk währungsbereinigt mit einem Umsatzrückgang von 5 bis 13 Prozent. Im Vorjahr war der Umsatz währungsbereinigt noch um zehn Prozent gestiegen, während Analysten für 2026 im Schnitt nur ein Minus von rund zwei Prozent erwartet hatten. Das angekündigte Minus wäre der erste Rückgang seit 2017, als der Konzern im Insulinmarkt bereits einen Preiskampf erlebte. Zusätzlich verweist das Unternehmen auf das Auslaufen von Patenten rund um Semaglutid, den zentralen Wirkstoff für Diabetes und Adipositas. Doustdar hat außerdem den Abbau von rund 9000 Stellen angekündigt, was die Erwartungshaltung an Effizienz und Kostenkontrolle erhöht.
Novo Nordisk sieht sich im Rennen mit dem US-Rivalen Eli Lilly im Hintertreffen, weil Lillys Mittel als effektiver gelten. In den USA kamen zudem über regulatorische Schlupflöcher günstigere Kopien von Abnehm-Medikamenten auf den Markt, was den Preisanker weiter verschiebt. Doustdar setzt dagegen auf die neu eingeführte Wegovy Pille und eine Werbeoffensive und sagt: „Wir sind sehr ermutigt durch die vielversprechende frühe Akzeptanz bei der Einführung der Wegovy Pille in den USA“. Gleichzeitig baut Novo Nordisk das Management um, der Chef des US-Geschäfts sowie der Produktstrategie Chef verlassen das Unternehmen. Portfoliomanager Markus Manns von Union Investment bewertet den Ausblick so: „Novo hat eine schockierende Prognose für 2026 vorgelegt“. „Einen zweistelligen Gewinnrückgang hatte niemand auf dem Zettel.“ Analysten überdenken nun das Marktpotenzial für Adipositas Medikamente und sehen das Volumen bis 2030 teils nur noch bei 80 bis 105 Mrd. Dollar statt der lange erwarteten 150 Milliarden.




