Die Deutsche Telekom nimmt in München ein großes KI-Rechenzentrum in Betrieb, gemeinsam mit Nvidia und mit politischem Rückenwind. Ob daraus ein breiter Ausbau wie in den USA entsteht, hängt weniger von Chips als von Stromkosten und industriepolitischen Leitplanken ab.
Im Münchner Tucherpark eröffnet die Deutsche Telekom ein KI-Rechenzentrum nur wenige Monate nach der Ankündigung. Rund 1 Mrd. Euro sollen investiert werden, 10.000 GPU-Chips von Nvidia kommen zum Einsatz. Digitalminister Karsten Wildberger spricht von einer „Investition mit Signalwirkung“. Politisch soll das Projekt zur Strategie passen, mehr digitale Souveränität und geringere Abhängigkeit von US Big Tech zu erreichen, auch wenn ausgerechnet Nvidia Hardware mangels Alternativen gesetzt ist. Fachlich ist der Standort zugleich ein Test, wie schnell sich in Deutschland skalierbare KI-Infrastruktur bauen lässt, ohne dass Genehmigungen, Energieanschlüsse und Betriebskosten die Rechnung kippen. Experten zweifeln allerdings, dass Deutschland beim Training großer Sprachmodelle eine globale Rolle spielen wird, weil der Strom hierzulande teuer ist.
Die Gesamtleistung deutscher Rechenzentren stieg laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom 2025 um neun Prozent auf fast 3000 Megawatt. Bis 2030 soll die Marke von 5000 Megawatt überschritten werden, fast eine Verdopplung gegenüber 2024. Bitkom erwartet, dass zum Ende des Jahrzehnts 40 Prozent der Kapazitäten auf KI-Rechenleistung entfallen, heute sollen es bereits 15 Prozent sein. Brancheninsider relativieren diese Sicht: NTT-Manager Günter Eggers betont, die meisten Projekte seien Cloud Rechenzentren, „die KI ready sind“. Der Ausbau wird also eher von Cloud Nachfrage und Datenverarbeitung getragen als vom KI-Hype allein.
Die Betreiber drängen darauf, Rechenzentren in den geplanten Industriestrompreis einzubeziehen. Peter Pohlschröder vom Betreiberverband German Datacenter Association kritisiert: „Wer Rechenzentren im Koalitionsvertrag zur Kerninfrastruktur erklärt, darf sie beim Industriestrompreis nicht benachteiligen“. Der Verband Eco formuliert noch schärfer, ohne wettbewerbsfähige Strompreise habe der „Digitalstandort Deutschland keine Chance“. Forschungsministerin Dorothee Bär hat sich öffentlich dafür ausgesprochen, dass ein Industriestrompreis auch für Rechenzentren gelten solle. Entscheidend wird jedoch die Linie des Bundeswirtschaftsministeriums von Katherina Reiche und die Genehmigung durch die EU-Kommission.
Zum Projekt gehört eine kommunikative Nebenfront: Das Start up Polarise will ebenfalls die Eröffnung feiern und sieht sich als Betreiber des Rechenzentrums. Wie berichtet, streiten Polarise und Telekom in der Außenkommunikation darüber, wer das Projekt umgesetzt hat. Die Telekom bezeichnet Polarise als „Immobiliendienstleister“ und verweist darauf, dass Konnektivität, Vertrieb, Marketing, Betrieb und Kundenbetreuung bei ihr liegen. Polarise dagegen sagt: „Die AI Factory gehört uns als Polarise.“ und betont, die Telekom sei der „erste Ankerkunde in der Anlage“. Für den Markt ist diese Frage nicht nur PR, sondern betrifft Verantwortlichkeiten, Betriebsmodelle, Vertragslogiken und letztlich die Skalierbarkeit ähnlicher Projekte.




