Ausgerechnet bei einem verpflichtenden Kurs zum verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz haben 28 Beschäftigte von KPMG Australien geschummelt. Ein Partner musste über 10.000 australische Dollar zahlen.
Zwischen Juli 2025 und Februar 2026 hat das Beratungshaus 28 Fälle identifiziert, in denen Beschäftigte während einer internen KI-Ethik-Schulung unerlaubt auf externe Sprachmodelle zurückgriffen. Ausgerechnet der Partner, ein registrierter Wirtschaftsprüfer, lud die zum Open-Book-Kurs empfohlene Referenzunterlage in ein generatives KI-Werkzeug hoch und ließ sich die Antworten zusammenstellen. Er zeigte sich anschließend selbst bei Chartered Accountants Australia and New Zealand an.
Der Vorfall trifft KPMG an einer sensiblen Stelle. Zwischen 2016 und 2020 hatte es beim Konzern eine Welle von Prüfungsschummelei gegeben, was der amerikanische Aufseher PCAOB mit 450.000 Dollar Strafe belegte. Als Antwort baute KPMG 2024 seine Überwachungssysteme aus. Genau diese Systeme haben nun angeschlagen. Andrew Yates, Chef der australischen Einheit, räumt ein, dass sein Haus wie viele andere mit der Rolle von KI in internen Prüfungen ringe.
Besonders unangenehm ist der Kontrast zur eigenen Positionierung. KPMG Australien war im Oktober 2024 die erste Organisation weltweit, die eine ISO-42001-Zertifizierung für KI-Managementsysteme erhielt. Das hauseigene Trusted-AI-Framework wird zudem als Beratungsprodukt vermarktet. Wenn ausgerechnet in diesem Umfeld ein Partner die Regeln bricht, klafft eine sichtbare Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
EY zahlte 2022 in den USA 100 Millionen Dollar wegen Schummelei bei Ethikprüfungen. Bei KPMG Niederlande verhängte der PCAOB im April 2024 sogar 25 Millionen Dollar. Deloitte Australien musste 2025 einen Teil eines Regierungsauftrags zurückerstatten, nachdem ein KI-generierter Bericht ein erfundenes Gerichtszitat enthielt.




