Künstliche Intelligenz verlangt vom Audit Committee einen eigenen Blick, der über die klassische Digitalaufsicht hinausgeht, argumentiert KPMG-Experte Andrew Forde.
Wer glaubt, KI sei nur ein weiterer Baustein der digitalen Transformation, unterschätzt sie. Für Andrew Forde, Partner bei KPMG in Kanada, folgt die Technologie einer eigenen Logik: Ein Unternehmen, das den digitalen Wandel bewältigt hat, ist damit noch längst nicht KI-reif. Prüfungsausschüsse müssten daher größer denken und Datenqualität, den Umgang mit geistigem Eigentum, Auswirkungen auf Stakeholder sowie kommende Regulierung zusammendenken. Ihre Rolle beschreibt Forde als die von Wächtern, die strategischen Nutzen, ethische Integration und organisatorische Widerstandsfähigkeit gleichermaßen sichern.
Besondere Vorsicht mahnt Forde beim Sprung von der Pilotphase in den Regelbetrieb an. Ein Proof of Concept entstehe in kontrollierter Umgebung mit bereinigten Daten; im ungeordneten Unternehmensalltag verhalte sich ein Modell womöglich anders oder greife auf Daten zu, die ihm nicht zugedacht waren. Ausschüsse sollten deshalb Nutzen gegen Kosten und Risiken jeder Anwendung abwägen, regelmäßige externe Überprüfungen verlangen und klären, ob Modelle wie vorgesehen arbeiten. Da die meisten Unternehmen KI nicht selbst bauen, sondern zukaufen, müssten sie zudem die von Anbietern gesetzten Kontrollen verstehen und an eigenen Standards messen.
Den größten Prüfstein sieht Forde in den Folgen für Menschen, von Privatsphäre über wirtschaftliche Sicherheit bis zu Arbeitsplätzen. Je materieller diese Auswirkungen, desto stärker rückten Transparenz und Dokumentation in den Vordergrund, weshalb KI vorerst vor allem risikoarm im Back-Office zum Einsatz komme. Regulierung wirke dabei entgegen der Intuition beschleunigend, da sie Vertrauen schaffe und geprüfte Unternehmen den breiteren KI-Einsatz absichern könnten. Als praktischen Startpunkt empfiehlt Forde, vom Management einen eigenen „Corporate Report on AI“ einzufordern, der Einsatz, Nutzen, Risiken und Regelkonformität der KI bündelt. Vorerst genüge dem Ausschuss seine Prüfungs- und Assurance-Erfahrung; mit wachsender Verbreitung aber werde gezielte Weiterbildung oder die Aufnahme eigener KI-Fachleute nötig.




