Hartmut Schwab plädiert für einen radikalen Umbau des Steuersystems. Statt Vergünstigungen für wenige fordert er niedrigere Sätze für alle. An eine große Reform unter der aktuellen Regierung glaubt er nicht.
Hartmut Schwab hat genug vom deutschen Steuerdschungel. Der Präsident der Bundessteuerberaterkammer fordert einen Kahlschlag bei Ausnahmen und Sonderregeln. Sein Gegenvorschlag: niedrigere Steuersätze für alle statt Geschenke für einzelne Gruppen. In der Welt nannte er konkrete Beispiele. Die Pendlerpauschale? Weg damit. Der politische Aufschrei sei programmiert, müsse aber ausgehalten werden.
Den Steuerabzug für Handwerkerleistungen hält Schwab für überflüssig. Seine These: Die Leute lassen ohnehin renovieren, der Fiskus schenkt ihnen nur nachträglich Geld. Klassischer Mitnahmeeffekt, bezahlt von der Allgemeinheit.
Auch die Konjunkturspritzen der Bundesregierung kommen schlecht weg. Der sogenannte Investitionsbooster, eingeführt im vergangenen Sommer, entfalte kaum Wirkung. In seiner Beratungspraxis sehe er niemanden, der wegen schnellerer Abschreibungen plötzlich Maschinen kaufe. Wer investiere, tue das aus anderen Gründen und nehme den Steuervorteil einfach mit. Bei elektrischen Firmenwagen dasselbe Bild. Trotz Förderung hätten viele Mandanten am Ende geleast oder ganz verzichtet.
Einen großen Wurf traut Schwab der schwarz-roten Koalition nicht zu. Dafür müssten beide Seiten ihre Grundüberzeugungen beiseiteschieben und gemeinsam handeln. Das hält er für unwahrscheinlich.




