Viele Unternehmen stecken Budgets in künstliche Intelligenz, ohne vorher ihre Organisationsstrukturen zu hinterfragen. Arbeitspsychologe Markus Väth erklärt, warum das scheitern muss.
In zahlreichen Führungsetagen gilt KI als Wunderwaffe: Entscheidungen beschleunigen, Daten ordnen, Effizienz steigern. Doch wer genau hinschaut, erkennt laut Organisationscoach Väth ein Muster, das er als Produktivitätstheater bezeichnet. Denn egal wie leistungsfähig ein Algorithmus arbeitet, sein Output muss anschließend durch dieselben Genehmigungsketten, Abstimmungsrunden und Kontrollschleifen wie zuvor. Das Tempo der Maschine verpufft in den Freigabeprozessen von gestern.
Väths zentrale These: Wer Hochtechnologie auf ein System pfropft, das von Silodenken und Absicherungskultur geprägt ist, digitalisiert nicht die Arbeit, sondern den Stillstand. Ungeordnete Abläufe würden durch KI nicht plötzlich logisch, sondern eskalierten in Maschinengeschwindigkeit. Angstgetriebenes Management tarnt sich dann lediglich hinter algorithmischen Empfehlungen.
Bevor ein Euro in neue Software fließt, fordert Väth drei Voraussetzungen: überflüssige Genehmigungsketten abschaffen, Abteilungsgrenzen durchlässig machen und Entscheidungsgewalt konsequent an die operative Ebene abgeben. Erst wenn Mitarbeitende auf Grundlage von KI-Ergebnissen sofort handeln dürfen, statt jedes Mal eine Vorstandsvorlage zu produzieren, entfalte die Technologie tatsächlich Wirkung. Sein Fazit: Nicht der Algorithmus braucht ein Upgrade, sondern die Organisation darunter.




