Jamaikas VM Group beendet eine der längsten Prüfungsbeziehungen des Landes und bestellt nach einem Ausschreibungsverfahren PwC als neuen Abschlussprüfer.
Nach rund 60 Jahren als Abschlussprüfer wird KPMG durch PwC abgelöst. Die Entscheidung fiel auf der jüngsten Hauptversammlung nach einem wettbewerblichen Verfahren, das die Konzernführung als routinemäßige Governance-Maßnahme einordnete, nicht als Reaktion auf Qualitätsbedenken. Bereits vor rund 14 Jahren hatte das Unternehmen das Mandat einem Wettbewerb unterzogen, damals behielt KPMG den Zuschlag. Diesmal überzeugte PwC und übernimmt die Prüfung ab dem nächsten Berichtszyklus.
Der Wechsel ist im jamaikanischen Finanzsektor, wo Prüfungsbeziehungen oft Jahrzehnte überdauern, ungewöhnlich, spiegelt aber einen globalen Trend: Die EU schreibt Prüferwechsel nach zehn Jahren vor, Großbritannien verschärft die Ausschreibungsanforderungen für börsennotierte Unternehmen. Jamaika kennt keine vergleichbare Pflichtrotation, kompetitive Ausschreibungen dienen dort als wichtigstes Instrument, um langjährige Mandate unabhängig zu überprüfen.
Hintergrund ist auch die Transformation der VM Group: Aus einer im 19. Jahrhundert gegründeten Bausparkasse ist ein diversifizierter Finanzkonzern mit Geschäftsfeldern von Commercial Banking über Versicherungen bis Wealth Management geworden. Diese Diversifikation macht die externe Prüfung strategisch bedeutsamer als zu Beginn der KPMG-Beziehung. Für PwC stärkt das Mandat die Position im karibischen Markt, für KPMG illustriert der Verlust eine branchenweite Realität: Selbst bei unbestrittener Prüfungsqualität setzen Investoren zunehmend auf regelmäßige Markttests.




