EY-Führungskräfte Raj Sharma und Vivek Nijhon argumentieren, dass die Integration von KI in Unternehmenskerne eine grundlegend neue Art von Führung erfordert, weg vom funktionalen Manager hin zum Systemarchitekten.
Viele Unternehmen schrauben KI auf bestehende Strukturen herauf, statt sie in die operative Architektur einzubetten, so die Analyse der beiden EY-Autoren. Das Ergebnis: fragmentierte Intelligenz, steigende Risiken und Vertrauensverlust. Echten Mehrwert erzielten dagegen Organisationen, die KI in Kernfunktionen wie Steuern, Finanzen und Risikomanagement integrieren und so Daten, Talente und Kapital nahtlos über Unternehmensgrenzen hinweg fließen lassen.
Die Autoren unterscheiden zwei Reifegrade: Im ersten arbeiten Mitarbeitende eins zu eins mit KI-Agenten zusammen, was Produktivität steigert, aber bestehende Strukturen bewahrt und irgendwann an Kapazitätsgrenzen stößt. Im zweiten orchestrieren Menschen ganze Systeme von Agenten, wodurch Kapazität überproportional wächst, ohne dass Personalstärke, Kosten oder Komplexität im gleichen Maß zunehmen.
Dieser Wandel verlangt laut Sharma und Nijhon ein kognitives Umdenken: Führungskräfte müssten sich als Systemarchitekten begreifen, die nicht mehr einzelne Entscheidungen treffen, sondern die Rahmenbedingungen gestalten, innerhalb derer intelligente Systeme agieren. Autorität speise sich dann nicht mehr aus Hierarchie, sondern aus der Fähigkeit, Plattformen, Daten und unternehmensweite Ergebnisse zu steuern. Wer weiterhin auf funktionale Kontrolle setze, werde in Systemen, die mit Maschinengeschwindigkeit arbeiten, zum Engpass. Ihr Rat: neugierig bleiben und bewusst mit externen Partnern kooperieren, um fehlende Fähigkeiten direkt in Arbeitsabläufe einzubetten.




