Nahost-Krieg kurbelt Schweizer Industrie an, doch Aufschwung täuscht

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March 26, 2026
01.04.2026
2 Minuten Lesezeit

Die Schweizer Nationalbank registriert erste Nahost-Kriegseffekte. Die Industrie profitiert von Vorzieheffekten, Dienstleister verlieren Schwung. KI dämpft bereits heute den Personalbedarf bei einem Fünftel der Unternehmen.

241 Gespräche plus 50er-Nachbefragung

Die Schweizerische Nationalbank hat ihre vierteljährliche Auswertung der Unternehmensgespräche veröffentlicht. Der Bericht basiert auf Informationen aus 241 Gesprächen, die Delegierte vom 14. Januar bis 3. März mit Unternehmensleitungen in der ganzen Schweiz führten. Weil die Lage im Nahen Osten Ende Februar eskalierte, führten die Delegierten vom 6. bis 13. März eine Nachbefragung von 50 Unternehmen durch, mit Fokus auf Geschäftsaussichten. Phil Smith von S&P Global Market Intelligence erklärt: Die Daten zeigen erste Auswirkungen des Krieges auf Wachstum, Nachfrage, Geschäftsvertrauen und vor allem Preise.

Industrie profitiert von Vorzieheffekten

Die Unternehmen schätzen die aktuelle Lage als gut ein. Besonders Beratungsunternehmen, IT-Dienstleister und Finanzinstitute verzeichneten seit Jahresbeginn solides Umsatzwachstum. In der Industrie bestätigten sich die bereits im Vorquartal vernommenen Signale einer leichten Belebung. Dazu tragen auch tiefere Zölle und lebhafte Nachfrage in den USA bei. Berichte von Güterproduzenten deuten darauf hin, dass die Nachfrage in einigen Fällen dadurch angekurbelt wurde, dass Unternehmen auf die durch den Nahost-Krieg verursachten Störungen reagierten. Einige hätten Käufe aufgrund von Sorgen über potenzielle Lieferunterbrechungen vorgezogen. Allerdings liegt die Auslastung der Produktionskapazitäten deutlich tiefer als üblich. Zudem mussten zahlreiche Unternehmen Personal abbauen, um Kosten zu senken.

KI dämpft Personalbedarf bereits heute

Gemäß einer Spezialbefragung beeinflusst der KI-Einsatz den aktuellen Personalbedarf bei vier Fünftel der Unternehmen noch gar nicht. Viele Anwendungen stecken in der Testphase. Nur wenige Unternehmen gehen davon aus, dass sich KI auch künftig nicht auf den Personalbedarf auswirken wird. Man rechne aber erst in den kommenden Jahren mit Einsparungen. Ein Fünftel der Unternehmen verspürt hingegen schon heute wegen KI einen geringeren Bedarf an Arbeitskräften. Davon häufig betroffen sind Personal- und Rechnungswesen, Rechtsabteilungen, Übersetzungsdienste und Marketing. Der allgemeine Fachkräftemangel scheint Vergangenheit zu sein. Selbst für IT-Stellen gebe es genügend gute Bewerbungen. Schwieriger gestalte sich die Rekrutierung handwerklich ausgebildeter Fachkräfte.