Während Stellantis in Rüsselsheim weitere 650 Ingenieursstellen abbaut, rekrutiert der Konzern in den USA, Frankreich und Italien. Was bleibt von Opels einst renommierter Entwicklungskompetenz?
Von einst 7.000 Ingenieuren am Stammsitz Rüsselsheim verbleiben nach dem jüngsten Stellenabbau gerade noch 1.000 Entwickler. Stellantis streicht weitere 650 hochqualifizierte Positionen, eine direkte Folge der Konzernintegration nach der GM-Übernahme im Jahr 2017. Das Zentrallabor, in dem unter anderem Materialtests durchgeführt wurden, wird geschlossen; die Prototypenentwicklung war bereits zuvor eingestellt worden. Insgesamt arbeiten heute noch 6.800 Mitarbeiter am Standort für Stellantis, rund 850 weniger als vor einem Jahr. Wie der Stellenabbau im Einzelnen abgewickelt wird, ist Gegenstand laufender Verhandlungen mit den Betriebsräten; betriebsbedingte Kündigungen sollen nach Unternehmensangaben bislang ausgeblieben sein.
Die strategische Neuausrichtung reicht tiefer als reine Kostensenkung: Ein neuer Opel-SUV wird laut Konzernkreisen federführend von Leapmotor, der chinesischen Stellantis-Beteiligung, entwickelt. Opel steuert dabei lediglich das äußere Design bei; gefertigt werden soll das Elektrofahrzeug in Spanien. Am Standort Rüsselsheim verbleiben künftig nur noch ausgewählte Entwicklungsbereiche wie Fahrassistenz, digitale Beleuchtung und modellspezifische Opel-Entwicklung. Den Umbau will der Konzern bis Ende 2027 abschließen. Konzernchef Antonio Filosa begründet den parallelen Aufbau andernorts damit, Qualitätsmängel zu beheben, die unter seinem sparbegeisterten Vorgänger Carlos Tavares entstanden waren: In den USA wurden bereits 2.500 neue Ingenieure rekrutiert, in Frankreich 1.400 Neueinstellungen angekündigt.
Der Rückbau bei Opel ist kein Einzelfall. In der deutschen Automobilindustrie geht die Nachfrage nach Ingenieuren branchenweit zurück: Die Zahl offener Stellen im Bereich Fahrzeugentwicklung ist laut Daten des Mediaforschungsunternehmens Index 2025 um 29 Prozent gesunken. Zulieferer wie Mahle beerdigen Entwicklungsprojekte in den Bereichen Wasserstoff und Elektrifizierung. Der aus dem Continental-Konzern herausgelöste Aumovio will bis Jahresende weltweit 4.000 Entwicklerstellen abbauen, nach bereits 3.000 im Vorjahr. Parallel verlagern die Hersteller Entwicklungskapazitäten zunehmend ins Ausland: Volkswagen etwa hat sein Entwicklungszentrum in China deutlich ausgebaut und kürzlich das erste vollständig dort entworfene Modell vorgestellt.




