Finanzchefin Melanie Freytag verlässt den Schiffbauer Meyer Werft nach nur sechs Monaten im Amt. Ausgerechnet während der laufenden Sanierung fehlt nun eine zentrale Figur in der Führungsebene.
Melanie Freytag scheidet zum 30. April als CFO bei Meyer Werft aus, nachdem sie den Aufsichtsrat selbst um die Entbindung von ihrem Mandat gebeten hatte. Das Unternehmen nennt in seiner knapp gehaltenen Mitteilung lediglich „strukturelle Gründe", ohne diese weiter zu erläutern. Freytag hatte ihr Amt erst am 1. November 2025 angetreten und verlässt die Werft damit nach lediglich sechs Monaten. Eine Nachfolgeregelung ist noch nicht kommuniziert worden, die Suche wurde jedoch bereits aufgenommen.
Der Abgang trifft das Unternehmen in einer kritischen Phase. Freytag war ausdrücklich als Schlüsselfigur für die Fortführung des Sanierungskurses vorgesehen, der erst durch das Eingreifen der öffentlichen Hand ermöglicht worden war: Im September 2024 sicherten Bund und das Land Niedersachsen der Werft eine Kapitalspritze von 400 Millionen Euro zu und übernahmen rund 80 Prozent der Anteile. Zum 1. Juli soll zudem André Walter den Vorstandsvorsitz von Bernd Eikens übernehmen, was den personellen Umbau weiter beschleunigt.
Das Unternehmen betont, die Restrukturierung verlaufe planmäßig, und verweist auf eine integrierte Unternehmensplanung, die den Finanzierungsbedarf bis 2028 abdecken soll. Medienberichte, die sich auf ein als vertraulich eingestuftes Dokument berufen, zeichnen ein deutlich trüberes Bild der wirtschaftlichen Lage. Meyer Werft weist diese Darstellung als „in hohem Maße irreführend" zurück. Für Gläubiger und die öffentlichen Anteilseigner bleibt die finanzielle Stabilität bis zur Vorlage belastbarer Zahlen schwer einzuschätzen.




