Der Entwicklungsdienstleister baut mehr als jede fünfte Position ab. Am Heimatstandort Fulda verschwinden 150 Arbeitsplätze.
Die anhaltende Schwäche der Automobilindustrie zwingt Edag zu massiven Personalkürzungen. Der Fuldaer Entwicklungsdienstleister streicht deutschlandweit 1.300 Arbeitsplätze, das entspricht mehr als jedem fünften Job. Finanzvorstand Holger Merz präzisierte bei der Jahrespressekonferenz, dass diese Zahl auch Fluktuation einschließt. Die Gesamtbelegschaft sank bereits im vergangenen Jahr von 12.338 auf 8.303. Rund 800 Stellen fielen bereits weg. Für das laufende Jahr plant der Konzern den Wegfall weiterer 500 Positionen. Die Einsparungen sollen jährlich 90 Millionen Euro bringen, verursachten allerdings 2025 zunächst Umbaukosten von 30 Millionen Euro. Hauptgrund für die Kürzungen: Große Automobilhersteller zögern bei Investitionen, verschieben Projekte oder reduzieren Abrufe. Der Umsatz brach 2025 um 13 Prozent auf 714 Millionen Euro ein, der Jahresfehlbetrag vertiefte sich auf 43,7 Millionen Euro.
Am Stammsitz in Fulda sank die Mitarbeiterzahl von 1.600 auf 1.450 – ein Minus von 150 Beschäftigten. Auf Journalistenfrage erklärte Merz jedoch, die Restrukturierung sei nunmehr beendet. Weiterer Abbau über natürliche Fluktuation hinaus stehe in Fulda gegenwärtig nicht an. Dennoch müsse der Standort weiterhin Kurzarbeit nutzen, wenn auch in deutlich reduziertem Umfang verglichen mit 2025. CEO Harald Keller verwies darauf, dass bereits 80 Prozent des für 2026 geplanten Umsatzes durch eingetroffene Aufträge gedeckt seien. Sollten allerdings zusätzliche Geschäfte ausbleiben, könne ein weiteres Sparprogramm notwendig werden. Eine verlässliche Prognose sei derzeit schwierig.
Um die Abhängigkeit von der kriselnden Automobilindustrie zu verringern, erschließt Edag andere Märkte. Geschäfte außerhalb des klassischen Kernbereichs wuchsen um 21 Prozent und erreichten rund 100 Millionen Euro. Besonders die Rüstungsindustrie fragt verstärkt Entwicklungsleistungen nach. Auch Medizintechnik, Halbleiterindustrie und Energiesektor sollen künftig stärker zum Umsatz beitragen. Ob und wann Standorte wie Fulda von dieser Diversifizierung profitieren, bleibt unklar. Parallel baut der Konzern Kapazitäten in Indien aus – mit dem Ziel niedrigerer Kosten und gesteigerter Effizienz. Dies setzt deutsche Standorte zusätzlich unter Druck. Keller betonte, dass KI-gestützte Entwicklungswerkzeuge künftig stärker zum Einsatz kämen, um Prozesse zu beschleunigen. Die Erwartungen für 2026 bleiben gedämpft: Eine rasche Erholung zeichnet sich nicht ab.




