Schwarz kauft Bosch bei Aleph Alpha aus

blog main image
February 5, 2026
06.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Der Lidl-Mutterkonzern übernimmt weitere Anteile am deutschen KI-Unternehmen und festigt seine Position als dominanter Gesellschafter.

Machtwechsel bei Deutschlands KI-Hoffnung

Was sich seit Monaten andeutete, wird nun Realität. Die Schwarz-Gruppe erwirbt sämtliche Anteile, die Bosch Ventures an Aleph Alpha hält. Über den Kaufpreis schweigen beide Seiten, behördliche Genehmigungen stehen noch aus. Nach Abschluss der Transaktion wird der Handelskonzern hinter Lidl und Kaufland rund 20 Prozent des Heidelberger KI-Unternehmens kontrollieren. Bislang lag die Beteiligung bei knapp 14 Prozent.

Zwei Investoren, unterschiedliche Strategien

Ende 2023 stiegen beide Konzerne gemeinsam ein. Eine halbe Milliarde US-Dollar floss damals in einer Serie-B-Runde an Aleph Alpha. Sowohl Schwarz als auch Bosch sicherten sich Sonderrechte mit Vetomöglichkeiten bei strategischen Entscheidungen. Nun trennen sich die Wege. Bosch zieht sich zurück, die Schwarz-Gruppe verdoppelt ihr Engagement. Rolf Schumann, Co-CEO der Digitalsparte Schwarz Digits, betont die industriepolitische Dimension: Ohne starke heimische KI-Akteure riskiere Deutschland wirtschaftliche Substanz und Wohlstand.

Gründervision trifft Konzernrealität

Jonas Andrulis startete Aleph Alpha 2019 mit dem Ziel, Europa technologisch unabhängig zu machen. Die Ambition, mit OpenAI zu konkurrieren, ließ sich gegen die finanzstarke US-Konkurrenz nicht verwirklichen. Im Oktober räumte Andrulis den Chefposten und wird auch den vorgesehenen Beiratsvorsitz nicht antreten. Mit 28 Prozent bleibt er zwar größter Einzelaktionär, gestalterischen Einfluss besitzt er jedoch nicht mehr.

Neue Köpfe, harter Schnitt

Die operative Führung liegt nun bei Reto Spörri, zuvor bei der Schwarz-Gruppe tätig, und Ilhan Scheer mit Accenture-Hintergrund. Das Duo hat einen Umbau eingeleitet. Berichten zufolge fallen rund 50 Arbeitsplätze weg. Insider sprechen von einer Fokussierung auf ausgewählte Kernbereiche. Der breite Anspruch weicht einer pragmatischen Ausrichtung.

Behörden statt Massenmarkt

Aleph Alpha hat seine Positionierung angepasst. Statt Verbraucherprodukte zu entwickeln, konzentriert sich das Unternehmen auf die öffentliche Hand und Unternehmenskunden. Die Schwarz-Gruppe nutzt die Technologie bereits intern für Vertragserstellung, Analyse von Gesetzestexten und Dokumentenabgleich. KI-Agenten sollen künftig weitere Arbeitsabläufe automatisieren.