Regierung gibt KI-Entwarnung

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February 5, 2026
05.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Nicht Algorithmen, sondern die schwache Wirtschaftslage bremst laut Bundesregierung den Berufseinstieg junger IT-Fachkräfte.

Debatte trifft auf Datenlage

Verdrängt Künstliche Intelligenz den Nachwuchs aus der Technologiebranche? In den USA kursieren Studien, die einen Beschäftigungsrückgang in KI-exponierten Berufen bei jungen Erwachsenen nahelegen. Die Bundesregierung widerspricht dieser Lesart für Deutschland. In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag stellt das Arbeitsministerium klar: Empirische Belege für eine systematische Verdrängung von Berufseinsteigern durch algorithmische Systeme existieren hierzulande nicht.

Forschungsinstitut findet keine Evidenz

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung untersuchte die Beschäftigungsentwicklung bei jungen Menschen in technologieaffinen Berufsfeldern. Ausgeprägte Rückgänge, die auf leistungsfähige Sprachmodelle wie ChatGPT oder Gemini zurückzuführen wären, ließen sich nicht nachweisen. Statt Stellen ersatzlos zu streichen, verschieben sich nach Einschätzung des Ministeriums eher die Aufgabenprofile. Tätigkeiten wandeln sich, verschwinden aber nicht.

Wirtschaftsflaute als eigentliche Ursache

Die angespannte Situation am Arbeitsmarkt für IT-Einsteiger hat andere Wurzeln. Die Regierung identifiziert die anhaltende konjunkturelle Stagnation als zentralen Faktor. Das Stellenangebot ist branchenübergreifend rückläufig, besonders in unternehmensnahen Dienstleistungen, Handel sowie Information und Kommunikation. Absolventen, die vor Jahren optimistisch ein Studium oder eine Ausbildung begannen, treffen nun auf einen deutlich engeren Markt als erwartet.

Vorsicht statt Verdrängung

Bei unter 30-Jährigen in Informatik und Ingenieurwesen stieg die Arbeitslosigkeit zuletzt leicht überproportional. Das Ministerium erklärt diesen Anstieg mit der hohen Konjunktursensibilität dieser Branchen. Unternehmen agieren angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit zurückhaltend bei Neueinstellungen. Es handle sich um eine zyklische Delle, nicht um einen strukturellen Umbruch durch Technologie.

Duales System als Stabilitätsanker

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zeigt sich das Ausbildungswesen robust. Die Übernahmequote erreichte 2024 mit 79 Prozent einen historischen Höchststand. Betriebe binden ihren Nachwuchs offenbar bewusst, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Allerdings besteht die Sorge, dass anhaltende Unsicherheit die Investitionsbereitschaft in Ausbildung langfristig dämpfen könnte.

Flexibilität statt Regulierung

Gesetzgeberischen Handlungsbedarf sieht das Ministerium nicht. Technologieoffene Ausbildungsordnungen böten bereits Raum für KI-Kompetenzen. Tools wie der Job-Futuromat sollen helfen, individuelle Stärken mit Marktanforderungen abzugleichen.