UniCredit legt Anfang Mai ein freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank vor und verschärft gleichzeitig die Kritik am Frankfurter Institut. CEO Bettina Orlopp bleibt unnachgiebig, die Bundesregierung steht hinter ihr.
UniCredit-Chef Andrea Orcel stellte unter dem Titel „Commerzbank Unlocked“ einen Strategieplan vor, der den Nettogewinn der Commerzbank bis 2028 auf rund 5,1 Milliarden Euro steigern soll - 600 Millionen Euro mehr als die bisherige Konsensschätzung von 4,5 Milliarden Euro. Für Anfang Mai hat Orcel eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, auf der die Aktionäre der für die Transaktion notwendigen Kapitalerhöhung zustimmen sollen.
Neue UniCredit-Aktien sollen dann im Tausch gegen Commerzbank-Papiere eingesetzt werden, um die 30-Prozent-Schwelle zu einem güstigeren Preis als über ein Pflichtangebot zu überspringen. UniCredit hält bereits direkt 26 Prozent an der Commerzbank und hat insgesamt Zugriff auf knapp unter 30 Prozent der Anteile.
Parallel zum Angebot fährt UniCredit einen Frontalangriff: Die Commerzbank schreibe eine „Geschichte operativer Underperformance“ und sei gemessen an ihren Fundamentaldaten inzwischen überbewertet. Das Frankfurter Institut konzentriere sich zu sehr auf kurzfristige Ziele und müsse sein internationales Geschäft deutlich verschlanken.
Rund 60 Prozent der angestrebten Einsparungen sollen aus Bereichen außerhalb des Personalwesens stammen, die restlichen 40 Prozent durch den Abbau von Führungspositionen und den Rückbau einer ausufernden Bürokratie. Orcel schloss eine Anpassung des Angebots nicht aus - abhängig von Annahmequote und Transparenz der Commerzbank.
Commerzbank-CEO Bettina Orlopp hält an der Strategie der Eigenständigkeit fest und verweist auf stark auseinandergehende Positionen beider Häuser - bei Bewertung, Umtauschverhältnis und künftigem Geschäftsmodell. Rückendeckung erhält sie vom SPD-geführten Bundesfinanzministerium, das eine feindliche Übernahme einer systemrelevanten Bank als nicht akzeptabel bezeichnet. Die Bundesregierung hält noch zwölf Prozent an der Commerzbank.
UniCredit erwartet mit dem Angebot keine kontrollierende Mehrheit von über 50 Prozent. Sollte die Offerte nicht zur Kontrolle führen, werde UniCredit 12 bis 18 Monate lang keine weiteren Schritte zur Kontrollübernahme unternehmen. Anfang Mai will die Commerzbank ihrerseits neue Finanzziele verkünden.




