Vier von fünf Energieversorgern nutzen bereits künstliche Intelligenz, doch fast alle stecken im Versuchsstadium fest.
Eine aktuelle Erhebung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC zeichnet ein durchwachsenes Bild der KI-Adoption in der deutschen Energiewirtschaft. Zwar geben 79 Prozent der befragten Versorger an, bereits mit der Technologie zu arbeiten. Doch sechs von zehn Unternehmen kommen über Testläufe nicht hinaus. Nur jeder vierte Betrieb hat eine formulierte Strategie, kein einziger bezeichnet sich selbst als fortgeschritten. PwC nennt das Phänomen PoC-Dilemma: Machbarkeitsstudien gelingen, der Übergang in den produktiven Alltag scheitert.
Die Anwendungsfelder folgen erwartbaren Mustern. Kundenkommunikation führt mit 29 Prozent, dahinter rangieren interne Supportprozesse. Technisch komplexere Bereiche wie Netzsteuerung oder Energiehandel bleiben Randerscheinungen, da sie tiefere Systemintegration und regulatorische Absicherung verlangen. Einzelne Leuchtturmprojekte zeigen das Potenzial: Ein Chatbot bei der NEW Netz beantwortet 95 Prozent aller Anfragen autonom, die EWE erfasst monatlich 50.000 Zählerstände per Bilderkennung mit 99,5 Prozent Genauigkeit.
Als größte Hürden identifiziert PwC technologische Defizite wie fehlende Schnittstellen und lückenhafte Daten. Personalmangel folgt knapp dahinter: Datenspezialisten sind rar, Weiterbildungsbudgets knapp. Datenschutzbedenken und kulturelle Widerstände bremsen zusätzlich. Bemerkenswert: IT-Verantwortliche bewerten den Reifegrad ihrer Organisation deutlich skeptischer als die Geschäftsleitung. Diese Wahrnehmungskluft erschwert eine konsequente Skalierung. Die Studie erfasst über 70 Lösungen. Der Anteil branchenspezifischer Anbieter stieg binnen Jahresfrist von 60 auf 81 Prozent. Drei Viertel der Anwendungen laufen auf großen Cloud-Plattformen.




