UniCredit-Chef Andrea Orcel drängt die Commerzbank offenbar dazu, Vorstandschefin Bettina Orlopp auszutauschen. Zugleich lehnt die italienische Großbank ab, dass Berlin dauerhaft zwei Sitze im Aufsichtsrat besetzt.
Der Streit zwischen UniCredit und Commerzbank verschärft sich: Orcel soll intern signalisiert haben, dass er Orlopp nicht länger an der Spitze der Frankfurter Bank sehen will. Gleichzeitig stört sich UniCredit an einem Sonderrecht aus der Finanzkrise 2009: Damals sicherte sich der Bund im Zuge der Rettung von Commerzbank das Recht, dauerhaft zwei Vertreter in den Aufsichtsrat zu entsenden. UniCredit hält mittlerweile 13,3 Prozent der Commerzbank-Anteile und pocht darauf, dass diese Sonderregel fällt. Berlin knüpft eine mögliche Zustimmung zu einer Übernahme an klare Bedingungen: Der Börsenlisting-Status soll erhalten bleiben, der Sitz der Bank in Frankfurt gesichert sein, und die Finanzierung des deutschen Mittelstands soll ungeschmälert weiterlaufen. Orcel traf sich mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zu einem Gespräch, das beide Seiten anschließend als konstruktiv bezeichneten. Klingbeil äußerte sich danach auch öffentlich zu den Plänen der Italiener.
Commerzbank weist die Vorstöße zurück und verweist auf bestehende vertragliche Regelungen sowie darauf, dass der Aufsichtsrat von der Hauptversammlung gewählt wurde. Das Institut betont zudem, mit dem Kontrollgremium in der Strategie vollständig übereinzustimmen. UniCredit hat dennoch Hebel in der Hand: Als Großaktionär könnte die Bank eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um eigene Vertreter in den Aufsichtsrat zu bringen. Sollte es tatsächlich zu einem Zusammenschluss kommen, entstünde ein Institut mit einer addierten Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro, eine der größten Bankenfusionen Europas der vergangenen Jahre.




