Während die australische Krise der Beratungsgesellschaft weiter Kreise zieht, geraten konkrete Zahlen ans Licht. Allein der Prüfungsauftrag der Großbank Westpac wird mit über 30 Millionen Dollar bewertet und steht zur Disposition.
Bei Westpac wird derzeit überlegt, das Prüfungsmandat neu zu vergeben. Mit einem Volumen von rund 32 Millionen australischen Dollar zählt es zu den lukrativsten Aufträgen des Hauses überhaupt. Für KPMG wäre ein Verlust besonders schmerzhaft, weil Westpac selbst Teil des ursprünglichen Vorwurfs ist. Genau bei dieser Bank sollen Partner unter Nutzung vertraulicher Lendlease-Unterlagen um Aufträge gebuhlt haben.
Aufschlussreich sind auch die Zahlen, die jetzt zur Stellung der vier großen Beratungshäuser bei staatlichen Aufträgen kursieren. Bereits im vergangenen Jahr brach das Volumen der Bundesaufträge an die Big Four von 637 auf 348 Millionen Dollar ein, fast eine Halbierung. Mit der nun verhängten Sperre für KPMG bis Ende September dürfte sich diese Entwicklung weiter zuspitzen. Aktuelle Bundesverträge im Wert von rund 650 Millionen Dollar stehen ohnehin unter Beobachtung.
Der Vorfall belastet das Ansehen der gesamten Wirtschaftsprüfungsbranche in Australien. Die staatlichen Aufträge sind ohnehin geschrumpft, das Vertrauen großer Privatkunden bröckelt sichtbar. KPMG muss sich nun einer öffentlichen Befragung vor einem parlamentarischen Ausschuss stellen.
Sollte Westpac das Mandat tatsächlich neu vergeben, würde der finanzielle Schaden für KPMG schlagartig steigen. Wichtiger ist allerdings die Signalwirkung. Wenn eine der größten Banken des Landes ihrem Prüfer das Vertrauen entzieht, wird es für andere Konzerne leichter, einen ähnlichen Schritt zu rechtfertigen. Genau diese Kettenreaktion fürchtet das Beratungshaus derzeit am meisten.




