Eine Analyse von 307 Studien mit über 82.000 Studierenden aus dem Vereinigten Königreich, den USA und Kanada zeigt: Perfektionismus an Hochschulen steigt seit Jahrzehnten und hat sich seit den frühen 2000ern beschleunigt. Der Haupttreiber ist nicht Social Media, sondern wirtschaftliche Ungleichheit.
Dr. Thomas Curran, Associate Professor for Social Psychology an der London School of Economics, hat gemeinsam mit Kollegen Daten aus 307 Studien mit mehr als 82.000 Studierenden zwischen 1989 und 2024 ausgewertet. Die im Psychological Bulletin veröffentlichte Studie zeigt deutliche Anstiege bei sogenannten perfektionistischen Sorgen: Versagensangst, übermäßige Beschäftigung mit Fehlern, Entscheidungsunfähigkeit und Angst vor negativem Urteil durch andere. Auch perfektionistische Bestrebungen, also das Setzen extrem hoher Standards und die intensive Arbeit an deren Erfüllung, haben zugenommen. Einige Dimensionen des Perfektionismus haben sich seit den frühen 2000ern besonders stark beschleunigt.
Die Studie stellt einen klaren Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Bedingungen und Perfektionismus her: Steigende Ungleichheit korreliert mit stärkeren perfektionistischen Sorgen, sinkende BIP-Wachstumsraten pro Kopf mit stärkeren perfektionistischen Bestrebungen. Damit widerspricht die Forschung der weit verbreiteten Annahme, dass Smartphones und Social Media die Hauptursache seien. Der Anstieg des Perfektionismus setzt deutlich vor der Entstehung sozialer Medien ein. Curran fordert deshalb, nicht nur Bildschirmzeiten und Erziehungsstile zu adressieren, sondern die zugrunde liegenden wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen. Der Zusammenhang zwischen Perfektionismus und psychischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen blieb über den Beobachtungszeitraum stabil.




