Innerhalb weniger Tage haben mehrere Anbieter Werkzeuge vorgestellt, die selbständig handeln statt nur Befehle abzuarbeiten. Vom Pariser Start-up bis zum amerikanischen Software-Riesen mischen sich die Akteure neu.
Wie viel auf dem Feld der proaktiven Assistenten gerade in Bewegung ist, lässt sich an einer einzigen Finanzierungsrunde ablesen. Das Pariser Unternehmen Mendo sammelte zwölf Millionen Euro Series-A-Kapital ein und kommt damit nun auf insgesamt 15,5 Millionen Euro. Bei den Anwendern stehen Namen wie PwC und Novo Nordisk auf der Liste, hundert Organisationen mit zusammengenommen mehr als 100.000 Beschäftigten nutzen die Plattform. Auch andere junge Häuser preschen vor. Tyms AI etwa positioniert sich für kleinere und mittlere Betriebe mit Funktionen rund um Finanzen, Vertrieb und Compliance. VNC hat seine Plattform fertiggestellt und plant einen Betatest, der eine Community von über 300.000 Nutzern erreichen soll.
Bei Lenovo dreht sich alles darum, die Trennlinie zwischen verschiedenen Geräten verschwinden zu lassen. Die im Januar präsentierte Plattform Qira sorgt für nahtlose Übergänge zwischen Computer und Smartphone. Wer eine Besprechung verpasst hat, erhält über eine Funktion namens Catch Me Up eine Zusammenfassung. Next Move wiederum übernimmt den Arbeitsstand auf das Gerät, an dem gerade gearbeitet wird.
Mit einer ganz anderen Idee geht Inspire Inbox an den Markt. Das Werkzeug verschickt aufmunternde Botschaften, abgestimmt auf individuelle Ziele und Rückmeldungen. Vor allem die Generation der Millennials will der Anbieter erreichen. Bereits seit dem Frühjahr in einer aktualisierten Version verfügbar ist der KI Daily Planner von LiveOps, der Verhaltensmuster erkennt und Aufgaben nach dem jeweiligen Energielevel sortiert. Auch das von ehemaligen Meta-Forschern gegründete Yutori bewegt sich in diesem Bereich und unterstützt beim Wechsel zwischen wechselnden Tätigkeiten.
In Redmond hat Microsoft mit DigitalMe einen Helfer vorgestellt, der die Rolle eines digitalen Stellvertreters einnimmt. Eingebaut in Teams und Outlook beantwortet das System Anfragen auch dann, wenn der eigentliche Mitarbeiter nicht erreichbar ist. Tests ergaben 158 bearbeitete Fragen pro Stunde bei einer Trefferquote von neun Zehnteln. Pro Sitzung soll der Helfer rund eine bis anderthalb Stunden Arbeit ersparen.
Bei Google laufen zwei Ansätze parallel. Wer ein Abo der KI-gestützten Suche besitzt, kann seit Kurzem sogenannte Informationsagenten beauftragen, die ausgewählte Themen dauerhaft überwachen. Im Sommer soll das Angebot auf mehr Nutzer ausgeweitet werden. Aus dem hauseigenen Labor stammt zudem Dreambeans, eine App, die aus Kalendereinträgen, Mails und Fotos kleine persönliche Erzählungen formt. Pikanter Beigeschmack: Werbung mischt sich in die persönlichen Inhalte.




