Eine neue Untersuchung des Beratungshauses PwC bringt einen klaren Trend ans Licht: Beschäftigte mit Erfahrung in künstlicher Intelligenz erleben einen außergewöhnlichen Lohnsprung, während technikferne Berufsbilder zunehmend ins Hintertreffen geraten.
Mitte Juni meldete sich Satya Nadella zu Wort. Der Chef von Microsoft warnte Unternehmen davor, ihre gesamte Wertschöpfung an wenige große KI-Anbieter abzugeben. Stattdessen müssten Firmen eigenes sogenanntes Token-Kapital aufbauen und dieses mit dem vorhandenen Humankapital verzahnen. Wer diesen Aufbau vernachlässige, riskiere die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Die Stoßrichtung ist klar: Abhängigkeit vermeiden, Kompetenz im eigenen Haus aufbauen.
Wer früh auf KI gesetzt hat, profitiert handfest. Sogenannte Superstar-Firmen, also jene Unternehmen, die die Integration besonders konsequent vorantreiben, melden ein Produktivitätswachstum von 163 Prozent. Auch beim Personal zeigt sich ein Unterschied: In KI-affinen Betrieben wachsen die Belegschaften um durchschnittlich 52 Prozent, in technikferneren um lediglich 36 Prozent. Bei den Gehältern öffnet sich eine ähnliche Lücke. Während technologisch aktive Häuser ihre Vergütungen um etwa ein Viertel anheben, schaffen weniger digitalisierte Firmen knapp 17 Prozent.
Was Personalverantwortliche heute in Stellenanzeigen formulieren, hat sich grundlegend gewandelt. In den Vereinigten Staaten taucht die Anforderung Führungskompetenz bei KI-bezogenen Einstiegsjobs siebenmal häufiger auf als in vergleichbaren technikfernen Positionen. Seit 2019 wuchs die Zahl solcher spezialisierten Posten um gut ein Drittel, während Stellen ohne KI-Bezug um zehn Prozent geschrumpft sind.
Im Zentrum der Auswertung steht eine eindrucksvolle Zahl. Wer KI-Kenntnisse in seinen Lebenslauf schreiben kann, verdient im Mittel 62 Prozent mehr als Kollegen ohne diese Qualifikation. Ein Jahr zuvor lag der Abstand noch bei 57 Prozent. Auch der Arbeitsmarkt verhält sich rasanter, als es der Durchschnitt vermuten ließe. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen mit KI-Bezug wuchs um 69 Prozent, während der Gesamtmarkt nur um neun Prozent zulegte.
Bei aller Euphorie gibt es kritische Töne. Berichte des Tech-Portals heise weisen darauf hin, dass KI in der Praxis nicht selten zu mehr Aufwand führt statt zu Entlastung. Forschende stellen die viel beschworenen Effizienzversprechen zunehmend in Frage. Hinzu kommen die regulatorischen Hürden. Die europäische KI-Verordnung, die DSGVO und die NIS-2-Richtlinie zwingen Unternehmen jeder Größe zu erheblichen Anpassungen. Besonders kleine und mittlere Betriebe stoßen beim sicheren Einsatz von Werkzeugen wie ChatGPT oder Copilot auf organisatorische Grenzen.




