Markus Braun sitzt länger in Untersuchungshaft, als der Prozess gegen ihn dauert. Nun hat das Landgericht München I einen Fahrplan für die letzten Verhandlungstage vorgelegt.
Über 270 Sitzungstage, dreieinhalb Jahre Verhandlung, sechs Jahre Untersuchungshaft für den Hauptangeklagten: Das Münchner Verfahren sprengt jeden gewohnten Rahmen. Zum Ende hin will die 4. Große Strafkammer deshalb das Tempo anziehen. Statt der bisher üblichen zwei Termine pro Woche soll dichter getagt werden, andernfalls, so der Vorsitzende Markus Födisch, ziehe sich allein der Abschluss über Wochen. Ein Datum für die Urteilsverkündung nannte er bislang nicht.
Den Startschuss für die Schlussrunde soll die Staatsanwaltschaft am 19. Oktober geben, angesetzt ist die vierte Oktoberwoche. Wie umfangreich der Stoff ist, zeigen die angemeldeten Redezeiten: Anklagebehörde, Brauns Verteidigung und die Anwälte des Kronzeugen Oliver Bellenhaus wollen jeweils einen vollen Sitzungstag füllen. Braun selbst reklamiert einen weiteren Tag für sein Schlusswort. Vergleichsweise knapp hält es allein die Verteidigung des früheren Buchhalters Stephan von Erffa mit einem halben Tag.
Inhaltlich prallen zwei unvereinbare Erzählungen aufeinander. Für die Ermittler ist Braun die zentrale Figur einer Konstruktion, die über Jahre Erlöse auswies, welche es nie gab, um ein defizitäres Unternehmen weiter mit Bankkrediten zu versorgen. Der bezifferte Schaden übersteigt drei Milliarden Euro, die Vorwürfe reichen von gewerbsmäßigem Bandenbetrug über Bilanzfälschung bis zur Untreue. Braun hält dem entgegen, selbst getäuscht worden zu sein, und verweist auf den Kreis um den flüchtigen Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek; das Verfahren nannte er in einem Interview eine Farce. Bellenhaus, einst zuständig für das Geschäft in Dubai, widerspricht dieser Darstellung und beschreibt ihn als Eingeweihten und Mittäter. Dass es zu einem Freispruch kommt, gilt nach dem bisherigen Verlauf als unwahrscheinlich.




