Die britische Wirtschaftsprüferaufsicht Financial Reporting Council belegt EY und einen verantwortlichen Partner mit Geldbußen von insgesamt rund 1,2 Millionen Pfund. Der Vorwurf: die unzureichende Prüfung des Onlinehändlers Made.com kurz vor dessen Zusammenbruch.
Nach Feststellung der FRC hat sich das EY-Prüfungsteam bei der Abschlussprüfung zum Geschäftsjahr Dezember 2021 zu weitgehend auf die Prognosen des Managements verlassen, ohne diese hinreichend kritisch zu hinterfragen oder eigenständig zu unterlegen. Konkret rügt die Aufsicht zwei Schwachstellen: eine ungenügende Prüfung der Fortführungsprognose auf Grundlage der Managementeinschätzungen sowie fehlende belastbare Nachweise im Zusammenhang mit einem aktiven latenten Steuerposten. FRC-Vertreter Penrose Foss verweist darauf, dass unzureichend hinterfragte Managementannahmen das Risiko einer verzerrten Vermögenslage in den Abschlüssen deutlich erhöhen.
Auf die Prüfungsgesellschaft entfallen 1,197 Millionen Pfund, auf den zuständigen Prüfungspartner Julie Carlyle rund 49.000 Pfund. Beide Beträge wurden im Vergleich zur ursprünglich vorgesehenen Höhe um 30 Prozent reduziert, da beide Seiten die Verstöße frühzeitig eingeräumt haben.
Made.com hatte Anfang 2021 mit einer Bewertung von 775 Millionen Pfund den Sprung an die London Stock Exchange geschafft, brach jedoch im November 2022 zusammen. Hunderte Arbeitsplätze gingen verloren, die Marke wurde vom Handelskonzern Next im Rahmen eines Rettungsdeals übernommen und wird dort weitergeführt. EY betont, die Aufsicht habe keine falschen Angaben im Jahresabschluss festgestellt, und verweist auf angepasste interne Prüfungsrichtlinien seit dem beanstandeten Mandat.




