Der Düsseldorfer Verpackungskonzern Gerresheimer verlässt den SDax. Hintergrund ist die fortdauernde Auseinandersetzung mit der BaFin um mögliche Bilanzierungsfehler.
ISS Stoxx, die Deutsche-Börse-Tochter, hat Gerresheimer mit Wirkung zum Donnerstagabend aus dem Kleinwerteindex SDax gestrichen. Auslöser ist das Versäumnis, den testierten Jahres- und Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2024/25 fristgerecht vorzulegen. Indexregeln schreiben eine Vorlage innerhalb von vier Monaten nach Geschäftsjahresende vor. Der Ausschluss hatte sich seit Wochen abgezeichnet, nachdem das Unternehmen Zweifel an seiner Rechnungslegung nicht ausräumen konnte.
Für institutionelle Investoren und passiv verwaltete Fonds, die den SDax abbilden, löst der Indexwechsel automatische Umschichtungspflichten aus. Spürbare Kursreaktionen blieben dennoch aus, was darauf hindeutet, dass der Markt den Ausschluss bereits eingepreist hatte.
Die BaFin wirft Gerresheimer Bilanzierungsfehler vor. Infolgedessen überprüft eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft derzeit Geschäftsvorfälle aus den Jahren 2024 und 2025 sowie deren bilanziellen Erfassung. Dieser Prozess verzögert die Aufstellung des testierten Jahresabschlusses voraussichtlich bis Juni 2026. Das Unternehmen steht damit seit Monaten unter erheblichem regulatorischem und kapitalmarktseitigem Druck.
Derartige Prüfprozesse binden nicht nur interne Ressourcen erheblich, sondern belasten auch die Reputation gegenüber Finanzierungspartnern und Kreditgebern. Solange der testierte Abschluss aussteht, fehlt dem Kapitalmarkt eine verlässliche Informationsbasis für die Unternehmensbewertung.
Ab dem 10. April ersetzt die bulgarische Shelly Group Gerresheimer im SDax. Das in Sofia ansässige Unternehmen, das von dem ehemaligen MediaMarkt-Manager Wolfgang Kirsch geleitet wird, stellt intelligente Steuerungen, Sensoren und Schalter her. Der Wechsel wird ab Freitag wirksam. Nennenswerte Kursreaktionen bei beiden betroffenen Werten blieben aus.




