Sabotage & Spionage: Der Preis des Rüstungsbooms

blog main image
April 9, 2026
10.04.2026
3 Minuten Lesezeit

Neue Marktteilnehmer in der Verteidigungsindustrie geraten zunehmend ins Visier ausländischer Nachrichtendienste. Der Verfassungsschutz reagiert und sucht aktiv den Kontakt zu Unternehmen und Start-ups, die in den Rüstungssektor drängen.

Verfassungsschutz geht aktiv auf Neueinsteiger zu

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist im März gezielt auf Unternehmen zugegangen, die im Zuge der Zeitenwende ein verstärktes Engagement in der Sicherheitsbranche erwägen. Ziel der Kontaktaufnahme ist die Sensibilisierung für Ausspäh- und Sabotageversuche im Wirtschaftssektor. Laut BfV erhalten sowohl Unternehmen als auch Forschungs- und Bildungseinrichtungen fortlaufend konkrete Hinweise zum eigenverantwortlichen Schutz. Die Bedrohungslage hat sich seit 2022 grundlegend verändert: Neben klassischer Wirtschaftsspionage werden inzwischen auch physische Sabotageaktionen und gewaltsame Übergriffe von den Behörden nicht mehr ausgeschlossen.

Mittelstand im Fokus der Sicherheitsbehörden

Besonders heikel ist die Situation für Unternehmen, die den aktuellen Rüstungsboom für sich nutzen und erst kürzlich neue Defence-Sparten aufgebaut haben. Neben Großkonzernen wie Rheinmetall, KNDS oder Hensoldt betrifft dies vor allem Autozulieferer, Maschinenbauer sowie mittelständische Betriebe, die bisher kaum Erfahrung mit Werkssicherheit im militärischen Kontext besitzen. Jürgen Kayser, Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, äußert sich wie folgt: „Wer in der Rüstungsindustrie tätig wird, muss sich darüber klar werden, dass man aktuell auch verstärkt in robustere Sabotageaktionen geraten kann."

Vom Spionagefall bis zur Tötungsabsicht

Kurz vor Ostern ließ die Bundesanwaltschaft eine Frau und einen Mann unter Spionageverdacht festnehmen. Sie sollen für Russland einen deutschen Rüstungsexporteur ausgespäht haben, der auch Drohnen in die Ukraine liefert. Eine Tötungsabsicht war dabei nicht auszuschließen. Bereits 2024 waren konkrete Attentatspläne gegen Rheinmetall-Chef Armin Papperger bekannt geworden, dessen Personenschutz seitdem als deutschlandweit einzigartig gilt. BfV-Chef Sinan Selen formulierte es in Berlin unmissverständlich: Die Bundesrepublik werde von Russland inzwischen „als Gegner, mitunter als Feind Nummer eins" betrachtet.