Die Dortmunder Baumarktkette Hellweg hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Alle 86 Filialen bleiben vorerst geöffnet. Das Ende des Pandemie-Booms und verschlafene Digitalisierung haben das Unternehmen in die Krise getrieben.
Hellweg, 1971 in Dortmund gegründet, ist die jüngste Baumarktkette, die nach dem Ende des pandemiebedingten Heimwerker-Booms in finanzielle Schieflage geraten ist. Während Branchenriesen wie Obi, Hornbach und Bauhaus auch nach der Pandemie weiterwachsen konnten, kämpft Hellweg mit rückläufigen Umsätzen, hohen Energie- und Personalkosten sowie einer allgemeinen Kaufzurückhaltung. Bereits im vergangenen Jahr mussten acht Standorte geschlossen werden. Handelsexperte Professor Jörg Funder von der Hochschule Worms sieht ein strukturelles Problem: Hellweg sei weder groß genug, um Kostenvorteile der Marktführer zu nutzen, noch klein genug, um flexibel auf Kundenwünsche einzugehen.
Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erlaubt es Hellweg, die Kontrolle über Finanzen und Geschäftsführung zu behalten. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter begleitet den Prozess extern. Alle 86 Filialen und der Online-Shop bleiben vorerst geöffnet, die Gehälter der Mitarbeitenden sind für drei Monate durch Insolvenzgeld abgesichert. Bis zum Herbst sollen Filialnetz sowie Kosten- und Ertragsstruktur auf den Prüfstand gestellt werden. Hellweg hatte laut Branchenbeobachtern zudem die Digitalisierung verschlafen: Wettbewerber wie Hornbach und Obi hatten ihren Online-Vertrieb deutlich früher ausgebaut.




