Ältere Beschäftigte geraten beim Stellenabbau überdurchschnittlich oft ins Visier, vor allem wegen ihres Gehalts. Arbeitsmarktexpert:innen warnen jedoch, dass sich dieser Sparkurs mittel- bis langfristig als teurer Fehler erweisen kann.
Viele Unternehmen steuern ihren Personalstand laut Deloitte-Partnerin Elisa Aichinger noch immer über reine Headcounts, wodurch ältere Beschäftigte in Branchen mit senioritätsabhängigen Gehaltssystemen bei Personalabbau kurzfristig häufiger betroffen sind. ÖGB-Arbeitsmarktexperte Alexander Prischl weist darauf hin, dass ein höheres Gehalt vor allem über Jahre erworbene Erfahrung und Qualifikation widerspiegelt, in der Diskussion aber oft negativ besetzt ist. Häufig werde nur betrachtet, wie viel eine Person kostet, nicht wie viel sie durch Wissen, Schnelligkeit und Netzwerk zum Unternehmenserfolg beiträgt. Mittel- bis langfristig sei der Abbau teurer Mitarbeiter deshalb oft ineffizient, weil fehlendes Know-how später durch teure Interimskräfte oder externe Spezialisten ersetzt werden müsse.
Altersdiskriminierung bleibt laut Prischl ein häufiger, aber schwer beweisbarer Faktor, obwohl keine Evidenz belege, dass ältere Beschäftigte weniger leisten. Aktuelle Daten von AMS und Statistik Austria zeigen, dass die Arbeitslosigkeit bei Menschen über 50 weiter steigt. Im Juni 2026 waren mehr als 94.000 Personen dieser Altersgruppe arbeitslos gemeldet, knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Aichinger warnt, dass Einstellungsstopps und Sparprogramme oft erst Jahre später zeigen, wenn eine ganze Erfahrungsgeneration fehlt. Immer mehr Unternehmen analysieren deshalb ihre Altersstruktur. Laut einer Deloitte-Befragung von 550 Unternehmen sehen diese ältere Beschäftigte zunehmend als Erfolgsfaktor, nur müssten den Worten auch Taten folgen.




