Intel hat seine geplante Kapitalerhöhung wegen der hohen Nachfrage von 15 auf 20 Milliarden Dollar aufgestockt. Ein Großteil der Mittel soll in den Ausbau der Chip-Auftragsfertigung sowie in das gemeinsam mit Elon Musk gestartete Projekt Terafab fließen.
Am Montag hatte Intel den Verkauf neuer Aktien im Volumen von 15 Milliarden Dollar angekündigt, einen Tag später stockte der Chiphersteller die Platzierung wegen des großen Investoreninteresses bereits auf 20 Milliarden Dollar auf. Inklusive Mehrzuteilungsoptionen könnten am Ende sogar 23 Milliarden Dollar zusammenkommen. Ein Anteil kostet dabei 95 Dollar, ein Abschlag von 2,6 Prozent gegenüber dem Montagsschlusskurs von 97,52 Dollar, nachdem die Aktie am Vorabend bereits mehr als 4 Prozent verloren hatte. „Intels Kapitalerhöhung sendet ein klares Signal“, kommentierte Stephan Kemper, Chefanleger der Vermögensverwaltung von BNP Paribas. „Wenn eine Platzierung von 15 Mrd. Dollar zu einem überschaubaren Abschlag in kürzester Zeit mehrfach überzeichnet ist, bleibt das Vertrauen des Kapitalmarktes in den KI-Ausbau ungebrochen.“ Mit dem frischen Kapital will Intel vor allem seine Auftragsfertigung stärken, die nach eigenen Angaben die Nachfrage derzeit nicht mehr befriedigen kann, obwohl sie in den vergangenen Jahren noch milliardenschwere Verluste angehäuft hatte. Statt der bislang geplanten 18 Milliarden Dollar sollen daher im laufenden Jahr 20 Milliarden Dollar in den Produktionsausbau fließen. Als neue Kunden gewann Intel zuletzt unter anderem Google und SpaceX. Auch Nvidia erwägt, das Unternehmen mit der Fertigung eines neuen Prozessors zu beauftragen. Mit Apple laufen ebenfalls Gespräche. Firmenchef Lip-Bu Tan hat den einstigen Branchenprimus damit auf einen erkennbaren Reformkurs gebracht, der Unternehmenswert hat sich in den vergangenen zwölf Monaten fast verfünffacht.
Vor gut einem Jahr hatten Investoren und Analysten großer Häuser wie Morgan Stanley noch auf einen Verkauf der defizitären Auftragsfertigung gedrängt. Der Fokus auf die sogenannte Foundry unter Ex-CEO Pat Gelsinger hatte für Frust gesorgt, weil der einstige Branchenführer nach eigenem Eingeständnis den KI-Boom verschlafen hatte. Im August 2025 stieg dann die US-Regierung bei Intel ein. Im Zuge ihrer protektionistischen Handelspolitik unter Präsident Donald Trump widmete sie bereits bewilligte Fördermittel aus dem Chips Act in Höhe von 8,9 Milliarden Dollar um und sicherte sich dafür rund 10 Prozent der Anteile. Zusätzlich besteht ein fünfjähriges Recht auf den Erwerb weiterer 5 Prozent zu 20 Dollar pro Aktie, sollte Intel die Mehrheit an der Foundry abgeben. Finanzchef David Zinsner räumte kurz nach dem Deal ein, dass ein Verkauf damit praktisch vom Tisch sei. Trump verweist gerne auf die seit dem Staatseinstieg erzielten Kursgewinne von fast 400 Prozent als Beleg für seinen wirtschaftspolitischen Kurs. Kritiker sehen den Aufschwung dagegen weniger fundamental begründet als durch die Hoffnung von Anlegern getrieben, von der Unterstützung Washingtons und strategischer Investoren wie Nvidia zu profitieren. Für zusätzliche Fantasie soll die im Frühjahr beschlossene Beteiligung am „Terafab“-Projekt von Elon Musk sorgen, das laut Tan eine „wesentliche Veränderung“ der Produktionsprozesse der Branche darstelle. Sein Unternehmen sei „stolz, ein Partner zu sein und bei diesem strategisch hoch wichtigen Projekt eng mit Elon zusammenzuarbeiten“. Terafab soll künftig Halbleiter für Teslas autonomes Fahren und Robotikpläne sowie für SpaceX-Satelliten mit Rechenkapazität liefern. Analysten wie Pedro Pacheco von Gartner warnen jedoch vor dem ambitionierten Zeitplan, wonach die ersten Chips bereits Ende 2027 und die Massenproduktion ab 2028 starten sollen. Üblich seien in der Branche drei bis fünf Jahre Vorlaufzeit. Die frischen Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen den Ausbau von Terafab direkt absichern. Ähnlich hatte zuletzt auch Alphabet über eine Rekord-Kapitalerhöhung von 80 Milliarden Dollar frisches Geld für die eigene KI-Expansion eingesammelt. Solche Schritte gehen für Bestandsaktionäre stets mit einer Verwässerung einher.




