Steuerreform mit Nebenwirkung: Ab 2028 droht weniger Netto

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July 29, 2026
10.08.2026
2 Minuten Lesezeit

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verspricht mit seiner Einkommensteuerreform spürbare Entlastungen für 95 Prozent der Beschäftigten. Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Frank Hechtner zeigen jedoch, dass steigende Sozialabgaben diesen Effekt ab 2028 für viele Haushalte wieder zunichtemachen.

Wenn Sozialabgaben die Steuerentlastung schmälern

Klingbeil kündigte im März 2026 an, mit der Reform 95 Prozent der Beschäftigten spürbar zu entlasten, mit einigen hundert Euro im Jahr. Frank Hechtner von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat berechnet, wie sich Steuerreform und gleichzeitig steigende Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung auf das verfügbare Nettoeinkommen verschiedener Haushaltstypen zwischen 2026 und 2028 auswirken. Das Ergebnis: Ein kinderloser Single mit 3.000 Euro Monatsbrutto hat 2028 rechnerisch 44 Euro weniger zur Verfügung als 2026. Bei 7.000 Euro brutto liegt das Minus bereits bei 699 Euro, bei 9.000 Euro bei 904 Euro im Jahr. Auch Paare bleiben nicht verschont: Ein Ehepaar mit zwei Kindern und je 7.000 Euro Bruttomonatslohn verliert im Modell sogar 1.045 Euro gemeinsames Nettoeinkommen pro Jahr.

Kalte Progression und steigende Beitragsbemessungsgrenzen als Treiber

Ein wesentlicher Grund liegt laut Hechtner in steigenden Beitragsbemessungsgrenzen, wodurch Beschäftigte auf einen größeren Teil ihres Einkommens Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen müssen. Der allgemeine Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bereits bei 14,6 Prozent zuzüglich Zusatzbeitrag. Hinzu kommt die gesetzliche Rentenversicherung mit aktuell 18,6 Prozent Beitragssatz, der laut Prognosen ab 2028 weiter steigen könnte. Auch die kalte Progression spielt eine Rolle: Steigen Löhne nur inflationsbedingt, rutschen Beschäftigte in höhere Steuerstufen, ohne dass ihre reale Kaufkraft wächst. Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt in einer Analyse zu dem Schluss, dass die geplante Reform diesen Effekt für 2028 nicht vollständig ausgleicht, wodurch nominale Entlastungen am Ende durch Inflation, Steuern und Sozialabgaben aufgezehrt werden können.

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