Ein einziges öffentliches Interview eines CFO reichte aus, um ein Unternehmen in eine juristische Krise zu stürzen: Der Fall POET Technologies zeigt, welche Risiken unvorsichtige Kommunikation im Finanzbereich birgt.
Was bei POET Technologies passierte, ist ein Lehrstück über die Kommunikationsrisiken für Finanzvorstände: CFO Thomas Mika offenbarte in einem öffentlichen Interview eine Geschäftsbeziehung mit Marvell Technology und brach damit offenbar eine Vertraulichkeitsvereinbarung. Marvell stornierte daraufhin sämtliche Bestellungen. Der Aktienkurs des Photonik-Unternehmens fiel innerhalb weniger Stunden von rund 15 Dollar auf unter acht Dollar, ein Tagesverlust von über 47 Prozent. Kurz darauf kündigten mehrere US-Anwaltskanzleien Sammelklagen an.
Die Klagen werfen dem Unternehmen zwei Verstöße vor: Zum einen soll der CFO trotz gegenteiliger Zusicherungen gegen die Geheimhaltungspflicht verstoßen haben. Zum anderen soll POET den steuerlichen Status der Gesellschaft gegenüber US-Anlegern falsch dargestellt haben, konkret die Einordnung als sogenannte Passive Foreign Investment Company mit erheblichen Steuerfolgen für Investoren. Die Frist zur Anmeldung als Hauptkläger läuft Ende Juni ab.




