Die Commerzbank wirft Unicredit vor, die gemeldete Annahmequote von 7,58 Prozent künstlich aufzublähen. Im Hintergrund stehen Derivatgeschäfte, Aktienleihgeschäfte und eine Regulierungslücke, die Orcel gezielt zu nutzen scheint.
Seit der Meldung der Annahmequote von 7,58 Prozent am 2. Juni rätseln Banker und Juristen über deren Zustandekommen. Institutionelle Investoren dienen ihre Aktien aus Prinzip erst in den letzten Tagen vor Fristablauf an. Zudem notiert die Commerzbank-Aktie seit Beginn des Angebots am 5. Mai durchgehend über dem Wert der im Tausch angebotenen 0,485 Unicredit-Aktien. Für rationale Marktteilnehmer wäre ein Verkauf über die Börse günstiger als das Tauschangebot. Die Commerzbank macht für die angedienten Aktien überwiegend Derivate-Gegenparteien von Unicredit verantwortlich, nicht unabhängige Investoren. Tatsächlich haben sechs Banken und die Zweckgesellschaft Verto Capital den Großteil eingereicht. Privatanleger haben bis zum 2. Juni lediglich 0,05 Prozent angedient.
Ein wesentlicher Erklärungsansatz: Unicredit könnte mit seinen Derivatbanken vereinbart haben, dass Total-Return-Swaps bei vorzeitiger Andienung erlöschen. Damit würden die Banken durch das Einreichen ihre Verpflichtungen gegenüber Unicredit erfüllen und Absicherungskosten sparen. Ein weiterer Ansatz: Die Derivatbanken könnten geliehene Aktien eingereicht haben. Tatsächlich stieg die Aktienleihe seit dem 5. Mai stark an, am 4. Juni waren laut S&P Global Markets Intelligence 9,42 Prozent der ausstehenden Commerzbank-Aktien verliehen. Entscheidend ist dabei eine Asymmetrie in der deutschen Regulatorik: Meldepflichtig sind nur Instrumente, die zum Erwerb von Aktien führen könnten, nicht jedoch solche, die zu einem Verkauf führen. Die BaFin wurde von der Commerzbank zur Überprüfung aufgefordert.




