Hinweise auf den unsauberen Umgang mit Mandantenunterlagen wurden bei der Prüfungsgesellschaft lange als Lappalie abgetan. Jetzt ziehen die Spitzenleute die Reißleine, und die Aufsicht ermittelt.
Bei KPMG in Australien herrscht Aufruhr. Andrew Yates, seit fünf Jahren an der Spitze des Unternehmens und mehr als drei Jahrzehnte im Haus, hat seinen Hut genommen. Mit ihm verlässt Julian McPherson, oberster Verantwortlicher für das Prüfungsgeschäft, die Führungsetage. Beide übernehmen damit die Verantwortung für ein Versagen, das sich über Monate aufgebaut hatte.
Ein Mitarbeiter aus dem eigenen Haus hatte mehrfach gemeldet, dass Unterlagen von Mandanten in unbefugte Hände gelangten. Drei separate Beschwerden landeten auf den Schreibtischen der Verantwortlichen. Jedes Mal kam die interne Prüfung zu dem Schluss, an den Vorwürfen sei nichts dran. Heute steht fest: Diese Bewertung war Augenwischerei.
Die Erklärungen aus dem Konzern fielen ungewöhnlich offen aus. Yates räumte ein, den eigenen Maßstäben nicht genügt zu haben. McPherson erklärte, er trage die Verantwortung für das Geschehene und ziehe deshalb die Konsequenzen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Sheppard wählte deutliche Worte und bat darum, die kommenden Reformschritte kritisch zu begleiten. Vertrauen könne nicht eingefordert, sondern müsse zurückgewonnen werden. Zwei externe Stellen sollen nun helfen, das Versäumte aufzuarbeiten. Eine Anwaltskanzlei und ein spezialisierter Ethikberater nehmen die internen Abläufe zum Schutz von Hinweisgebern auseinander.
Während intern die Aufräumarbeiten beginnen, hat sich auch die australische Finanzaufsicht ASIC eingeschaltet. Drei bei KPMG registrierte Wirtschaftsprüfer stehen im Fokus erster Ermittlungen. Aufsichtskommissarin Kate O'Rourke informierte das Parlament über das Verfahren, nannte aber keine Namen. Der scheidende Behördenchef Joe Longo stellte zugleich klar, dass die Aufsicht mit den Rücktritten nichts zu tun gehabt habe.
Welche Unternehmen von der Datenpanne betroffen sein könnten, hält die Prüfungsgesellschaft unter Verschluss. Pikant ist die Mandantenliste allemal. Zu den Kunden in Australien zählen Schwergewichte wie die Banken ANZ und Westpac sowie die Investmentbank Macquarie. Auf Anfragen reagierten die Institute zurückhaltend oder gar nicht.
Für die Prüfungsbranche in Down Under ist es nicht der erste Schlag dieser Art. Vor drei Jahren erschütterte ein Skandal um den Konkurrenten PwC das Vertrauen in den Berufsstand. Damals waren vertrauliche Informationen aus Regierungskreisen an Wirtschaftskunden weitergereicht worden. Die Folgen waren drastisch: ganze Geschäftsbereiche wurden abgestoßen, Dutzende Mitarbeiter verloren ihre Posten.
Nun steht die Nummer eins der vier Großen erneut im Rampenlicht. Wie viel Glaubwürdigkeit am Ende übrig bleibt, dürfte davon abhängen, ob die angekündigten Korrekturen mehr als symbolische Geste sind.




