Ein Senior Consultant aus Hyderabad in Indien zieht nach fast einem Jahrzehnt Konsequenzen: 74-Stunden-Wochen, immer mehr Verantwortung und am Ende fünf Prozent mehr Gehalt gaben den Ausschlag.
Der Mann, den der Bericht von Moneycontrol zum Schutz seiner Identität Arjun Singh nennt, war direkt nach dem Studium bei Deloitte eingestiegen, in der Erwartung, dort seine gesamte Laufbahn zu verbringen. Diese Perspektive kippte mit der Zeit. Wachsende Erschöpfung und eine immer größere Kluft zwischen Einsatz und Gegenleistung veränderten seinen Blick. Zugespitzt formuliert er es mit einem Seitenhieb auf Infosys-Mitgründer Narayana Murthy, dessen Plädoyer für die 70-Stunden-Woche landesweit für Diskussionen gesorgt hatte: Er habe mehr geleistet, als selbst Murthy verlange, sei bei der Beförderung dennoch übergangen worden und habe am Ende ganze fünf Prozent mehr bekommen. In manchen Wochen kamen nach seiner Schilderung 74 Arbeitsstunden zusammen.
Singh beschreibt eine Belastung, die über die reine Kundenarbeit hinausreicht. Neben den Projekten stünden interne Aufgaben an, von der Personalgewinnung über das Verfassen von Angeboten bis zur Geschäftsentwicklung, und dieser Druck wachse mit jeder Hierarchiestufe. Dünner werdende Teams verschärften die Lage: Aus sechs Personen würden binnen fünf Monaten plötzlich vier, bei zugleich enger getakteten Zeitplänen. Feierabend im eigentlichen Sinne habe es kaum gegeben, stattdessen Kundenanrufe zu jeder Zeit, mehrere Dienstgeräte und die Erwartung ständiger Erreichbarkeit.
Am schwersten wog für ihn, dass herausragende Leistung kaum honoriert wurde. Wer sich besonders anstrenge, erhalte am Ende nur unwesentlich mehr als der Durchschnitt. In diesem Jahr hätten viele weniger als fünf Prozent Zuwachs bekommen, und genau dort entstehe Burn-out: wo Anerkennung ausbleibe. Den Ausschlag gab schließlich weniger das Geld als der Wunsch nach einer besseren Balance. Inzwischen arbeitet Singh bei einem Finanzunternehmen in Hyderabad, das ihm mehr Kontrolle über seine Zeit und ein besseres Gehalt bietet. Bereut hat er die zehn Jahre nicht: Sie hätten ihm die Erfahrung und das Selbstvertrauen gegeben, den richtigen Moment für einen anderen Weg zu erkennen.




